Interviews

TEAMKILLER

Band

partyausfall.de: Fangen wir einfach mal an... es wäre schön wenn ihr euch einmal vorstellen könntet... wer ihr seid und welche Aufgabe ihr in der Band habt... außerdem wäre es ganz interessant zu wissen was ihr denn beruflich macht.

Hallo Kirsten! TEAMKILLER sind Peter Bastian (Vocals), Felix Grammer (Gitarre), Jan Heinisch (Bass) und Michel Dester (Drums). Jan arbeitet im "US Shop" in Stuttgart und Mannheim. Das ist ein ziemlich cooler Laden hier im Süden, in dem sich viele Punks, Skins und Hardcore Kids mit Klamotten versorgen. Michael ist mit dem Studium fertig und schaut sich gerade nach einer passenden Stelle um. Peter und ich studieren noch, wobei er nebenher ein Jugendhaus leitet und darüber hinaus ausländischen Jugendlichen hilft hier einen Job zu finden, Deutsch zu lernen u.v.m.

partyausfall.de: Seit wann gibt es Euch und wie habt ihr Euch als Band zusammen gefunden?

Peter, der damals bei ABSIDIA gespielt hat, hatte schon länger die Idee eine neue Band, als Sideproject, zu gründen und tat das dann Anfang des Jahres 2003 gemeinsam mit Fabian Kenner, dem Drummer der legendären Sidekick. Wir kannten uns alle aus der Stuttgarter Hardcore Szene oder waren zuvor schon befreundet. Nachdem nur kurze Zeit später erschienenen Demotape und den ersten Shows waren wir überwältigt von den Reaktionen und es war klar, dass die Band kein Sideproject bleiben wird. Jetzt, knapp fünf Jahre später, ist TEAMKILLER eine Institution der europäischen Hardcore Szene geworden und darüber freuen wir uns natürlich sehr.

partyausfall.de: Warum TEAMKILLER, wie kam dieser Bandname zustande?

Wir wollten einfach einen Namen der gut klingt, "in your face" ist, an den man sich erinnert und der zur Musik passt. Damals sollte dieser obendrein natürlich auch die Texte repräsentieren und die Aggressivität der Musik unterstreichen. Inzwischen drückt der Name für jeden von uns etwas ganz persönliches aus, wie eben auch unsere Lyrics, die meiner Meinung nach noch viel wichtiger und ausdrucksstärker sind.

partyausfall.de: Es gab ja einige Line-Up Wechsel, zum Beispiel jetzt mit Peter am Gesang... warum? Die Leute sind ja jetzt hin und her gerissen und müssen sich erst an die neue Stimme gewöhnen... ich persönlich mag es mehr... wie sieht's da bei Euch aus?

Vielen Dank für das Kompliment. Hin und her gerissen würde ich jetzt nicht gerade sagen, wir haben fast ausschließlich positives Feedback zum Line-Up Wechsel bekommen und die meisten Kids reagieren sehr ähnlich wie du. Viele, die wir zuvor mit unserer Musik nicht erreichen konnten, lieben die neuen Songs, genauso wie jetzt die alten mit bzw. durch Peters Stimme und sind vor allem von seiner Live Präsenz begeistert. Warum es so kam? Unser alter Sänger Michael Speidel und wir haben letztes Jahr im gegenseitigen Einverständnis entschieden was die Band betrifft getrennte Wege zu gehen. Dies hatte überwiegend persönliche Beweggründe, unsere Freundschaft ist davon nach wie vor nicht betroffen. Daraufhin haben wir uns eben Gedanken gemacht wie wir weitermachen. Die Idee, dass Peter der neue Sänger sein soll kam von mir. Ich war schon immer der Meinung, dass er ein talentierter Sänger ist und vor allem auch als Frontmann eine ausgezeichnete Figur machen würde. Abgesehen davon ist er Gründungsmitglied der Band und kein neues Gesicht, was uns ebenfalls sehr wichtig war. Da er und ich, bis auf ein oder zwei Ausnahmen, alle Songs bzw. Texte geschrieben haben, wollten wir auf jeden Fall mit dem gleichen Namen weitermachen - auch wenn das natürlich nicht so einfach ist, da gerade der Sänger nach außen hin für viele die Band darstellt, hinter den Kulissen aber oftmals andere Bandmitglieder die Fäden ziehen und dieser das Herz verleihen. Deshalb finde ich es jetzt natürlich sehr gut, dass er die Band so zu sagen direkt repräsentiert, da er sie wie gesagt gegründet hat und eben auch mit die meisten Texte und Songs schreibt. Durch die "Army Of Lost Souls" Tour und vielen Shows in letzter Zeit haben wir mittlerweile auch die letzten Kritiker überzeugt. Ich bin sehr froh über den ganzen Zuspruch den wir erhalten haben, denn ein Sängerwechsel kann natürlich schon eine sehr heikle Angelegenheit sein, und finde ebenfalls, dass Peter einen ausgezeichneten Job macht!

partyausfall.de: Ihr kommt ja ziemlich viel rum... nicht nur in Deutschland. Sind Euch Unterschiede bei den Shows aufgefallen? Zum Beispiel zu Ost und West? Wie ist es so im Ausland?

Bei unserer letzten längeren Tour mit unseren Freunden von TERROR waren wir ein paar Wochen unter anderem auch in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und der Schweiz unterwegs. Mittlerweile gibt es nicht mehr viel weiße Flecken in Europa, umso mehr freue ich mich schon darauf dorthin zu kommen wo wir noch nie zuvor waren und ich hoffe wir können bald Angeboten aus Skandinavien nachkommen. Insgesamt finde ich schon, dass sich Hardcore Shows unterscheiden. Klar, auch wenn es leider immer wieder gewisse Trends gibt, die schnell kommen und noch schneller wieder gehen, sorgt das für eine gewisse äußere Ähnlichkeit oder manchmal sogar Uniformität, aber das Publikum an sich ist meist ein Anderes. Solange das Denken eines jeden individuell bleibt, was Hardcore eben mit ausmacht, sehe ich noch den genannten Unterschied, auch wenn er zu Weilen sehr gering ist. Es gibt glücklicherweise immer mehr Kids, die nicht irgendwelchen Hypes nacheifern, gerade diese machen ebenfalls einen oder gerade den feinen Unterschied aus. Deswegen finde ich auch nicht, dass man das nach Ländern oder Ost bzw. West unterscheiden kann. Zumindest nicht, was das Verhalten und Denken der Crowd angeht. Allerdings sind die Leute in Ostdeutschland um einiges offener, freundlicher und hilfsbereiter als im Westen, meiner persönlichen Erfahrung nach. Ich würde fast soweit gehen das zu verallgemeinern, aber will mich hier jetzt mit meinen Spekulationen auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Jedenfalls merkt man als Musiker auf einer Show schnell wie das Publikum tickt und ob der Funke übergesprungen ist. Da ist einfach ein bestimmter Vibe, den du gerade beim Spielen sehr intensiv spürst, der dich einfach mitreißt. Irgendwie ist auch schon allein die Tatsache sehr cool, scheißegal an welchem Ort der Welt man sich gerade befindet, du bist auf einer Hardcore Show auf der die Post abgeht! Man fühlt sich nie wie unter Fremden, sondern immer unter Freunden.

partyausfall.de: Gibt es denn eine Show, die ihr nie vergessen werdet? Wenn ja, warum?

Es gibt sehr viele Shows an die ich mich gut erinnere. Das kann natürlich an einem besonders gelungenen Set liegen und/oder auch an dem ganzen Drumherum - wen man wieder getroffen oder kennen gelernt hat, ob man danach noch gemeinsam gefeiert hat oder einfach schon zuvor "on the road" etwas witziges passiert ist. Auf Konzerten mit befreundeten Bands irgendwelche Anekdoten auszutauschen ist sowieso das Beste überhaupt. Aber bei sowas muss man einfach dabei sein oder die Leute persönlich kennen, sonst ist das nicht so lustig zu erzählen. Spontan muss ich gerade an unsere erste Show mit dem neuen Line-Up denken, da waren wir schon gespannt auf die Reaktionen. Auf unserem Myspace sind ein paar Fotos davon, vielleicht kommt da ja ein bisschen was von der Stimmung rüber?! Ich denke jeder von uns hat sehr viele Erinnerungen, Orte und Menschen, an die man gerne ab und zu zurückdenkt. Wenn ein paar hundert Leute vor Dir richtig am Rad drehen ist so intensiv, das vergisst man nicht so schnell. Auch wenn man natürlich oft nicht mehr genau weiß wo und wann das jetzt genau war bin ich sehr dankbar für diese Erfahrungen! Gerade fallen mir auch noch ein paar weniger günstigere Situationen ein, die es leider auch ab und an geben mag, zwar nicht die Shows an sich, eher die Umstände betreffend, aber solche unerwarteten Lagen bzw. Erinnerungen, die erst im Nachhinein zum drüber Lachen sind, sind ja sowieso oft die Besten und ebenfalls schwer wiederzugeben.

partyausfall.de: Und falls nicht schon eben beantwortet, gab es für Euch eine richtig schlechte Show? Warum?

Wie gerade angedeutet gibt es so etwas wie eine "richtig schlechte Show" gar nicht. Das schlimmste was passieren kann ist eigentlich nur, wenn mal technisch etwas nicht stimmt. Wenn Monitorboxen den Geist aufgeben, meine Verstärker von den Boxen fallen und ich fast einen Herzinfarkt bekomme oder wenn ein Promoter nicht ausreichend Werbung gemacht hat. Im Endeffekt sind das alles Dinge die man nicht selbst kontrollieren kann. Da wir ziemliche Perfektionisten sind ist es manchmal schwer sich damit abzufinden. Andererseits passiert so etwas ja höchst selten und wenn wirklich mal etwas schief läuft nehmen wir es meistens mit Humor. Manchmal entstehen auch sehr lustige Ansagen aus solchen Momenten! Bei einer Show vor ein paar Wochen hatte ich das Gefühl, dass das Publikum ziemlich begeistert war von unserem Tape-Zurückspul-Effekt, nachdem wir wegen einem technischen Problem bei den Drums abrupt stoppen mussten. Gut, wenn du so direkt fragst, fällt mir noch eine wirklich lausige Show ein, von der ich nicht weiß ob ich sie lieber vergessen sollte. Auf Tour mit KILLING TIME und WHEN TIGERS FIGHT haben wir mal in Holland in einem ziemlich heruntergekommenen Schuppen gespielt, in dem vor der Show ausschließlich Fußball Hooligans abgehangen sind. Einer von ihnen war ein Spaßvogel der sich in unserer Abwesenheit ein Shirt vom Merch-Stand übergezogen bzw. geklaut hat und stattdessen seines an den Bügel hing. Er war sich in der großen Meute wohl ziemlich sicher, dass ihm nichts passieren würde und ehrlich gesagt war die Stimmung dort dann auch nicht so wirklich entspannt. Als wir ihn angesprochen haben wurde allerdings deutlich, dass die ganzen Kanten dort, abgesehen von seinen Kumpels, die Aktion von ihm eher planlos fanden und er doch auch selbst dafür gerade stehen sollte. Seine Kollegen haben dann auch versucht ein wenig Stress zu machen aber wurden von Mike D.C.s Anblick, dessen große Erscheinung sicher noch viele von den WTF oder früher DAMNATION A.D. Shows kennen, überzeugt. Ich denke der Feuerlöscher in seiner Hand hat seinen Worten "you want to walk away from me right now" dann noch zusätzliches Gewicht verliehen, so dass sie den Ball flach hielten und so in Schacht gehalten wurden. Einer von uns nahm in der Zwischenzeit unseren speziellen Freund in einer dunklen Seitenstraße ins Gebet, bzw. forderte diesen auf das T-Shirt auszuziehen und es zurück zu geben. Am Ende hat er dann außer der Angst die er definitiv hatte, keinen Schaden davongetragen und sogar sein eigenes Shirt zurückbekommen. Denn wir sind ja eigentlich echt nette Kerle. Das war eine der erwähnten unangenehmeren Situationen, in die man auf Tour im Ausland, wenn man nicht immer weiß, was einen erwartet, leicht kommen kann. Dennoch muss man solche Erfahrungen gemacht haben und gerade solche Situationen schweißen einen richtig zusammen und sind diejenigen, über die man später am herzlichsten lachen kann. Seit dieser Tour verbindet uns eine enge Freundschaft mit den Jungs von WHEN TIGERS FIGHT.

partyausfall.de: Ihr habt ja jetzt neues Material, möchtet ihr darüber etwas erzählen? Wann gibt es da mehr? Mit welchen Themen setzt ihr Euch da auseinander?

Wir haben einige neue Songs geschrieben bzw. spielen derzeit sogar drei davon im Set! Wir planen natürlich das nächste Release, aber konkretes dazu möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen - das gilt auch für die Themen der Stücke, bis auf das ich selbst Fan davon bin und man sich in jedem Fall darauf freuen kann. Die aktuellsten beschäftigen sich hauptsächlich mit zwischenmenschlichen Beziehungen, der Nähe und Entfernung von Menschen, von uns zu unserem Gegenüber, mit Wärme-Kälte, Freude bzw. Leid und dem Konflikt zwischen Kopf und Verstand mit dem Herzen und den Gefühlen. Da spielen sich ungeheuerliche Kämpfe ab, die gerungen werden müssen, um sein Leben im Griff zu haben oder anderen die Chance zu geben ihres fortzuführen wie es für sie am besten ist, auch wenn es oft schmerzhaft für einen selbst sein kann. Damit setzen wir uns immer noch mit den Themen auseinander, die uns im täglichen Leben begegnen. "They call it stormy Monday, but Tuesday's just as bad..."
partyausfall.de: Was bedeutet für Euch Hardcore? Was heißt für Euch Hardcore? Für einige Menschen ist Hardore mit Stirnband und Chucks auf einer Show sein und sich zur Schau stellen...

Ich kann Dir auf diese sehr persönliche Frage keine klare Definition anbieten, aber ganz sicher ist Hardcore nicht das Tragen bestimmter Klamotten. Für mich gibt es schon so etwas wie einen "Hardcore Lifestyle", allerdings definiert der sich eben nicht über einen bestimmten Dress-Code. Ich selbst trage keine Camouflage-Hosen oder ausschließlich Band-Shirts, aber finde es okay wenn jemand das macht und habe auch nichts gegen Bandanas und Chucks. Eine Subkultur lebt ja auch davon, sich nach Außen oberflächlich abzugrenzen - aber das sollte eben nur nicht alles sein! Ich denke, dass ist jedem klar der diese Zeilen lesen wird. Für mich persönlich bedeutet Hardcore z.B. auf Shows zu gehen, unsere Band zu machen, mich mit Inhalten der Szene auseinander zu setzen, wie Tierrechte, Straight Edge, Konsumverhalten allgemein usw. Einfach kritisch zu sein und seinen Blick zu schärfen. Ich finde auch, dass es nach wie vor so etwas wie "Unity" gibt. Dennoch ist Hardcore keine heile alternative Welt in die ich mich hinein flüchten muss, sondern ein Netzwerk von Menschen und Freunden mit denen ich gemeinsam etwas bewegen kann. Sei es jetzt ein Konzert oder z.B. einfach nur das Anhören von alten NYHC Bands um dabei dasselbe unaussprechliche Gefühl zu erleben. Das ist auch eine Form von Gemeinschaft. Dabei sehe ich mich überhaupt nicht als Idealist, wie vielleicht der ein oder andere denkt, wenn er trotz Anführungszeichen abgelutschte Begriffe wie "Hardcore Lifestyle" oder "Unity" liest. Ich kann einfach für mich persönlich sehr viel daraus ziehen und es ist verdammt cool die Möglichkeit zu haben auch anderen etwas davon zu geben.

partyausfall.de: Wie denkt ihr über Frauen im Hardore? Da fällt mir auch grad ein, dass ich es bei Euch in Forst schon zweimal mit verletzten Frauen zu tun hatte...

Das mit den Verletzungen tut mir sehr leid zu hören. Allerdings klingt Deine Frage so, als hätten wir damit irgendwas zu tun. Dem muss ich ganz entschieden widersprechen! Wenn wir mitbekommen, dass sich jemand vor der Bühne prügelt oder jemand verletzt wird hören wir auf zu spielen! Wir wollen, dass die Leute gemeinsam Spaß haben. Dabei kann auch gerne hart getanzt werden, was sich bei dieser Art von Musik ja geradezu anbietet - aber dabei soll niemand verletzt werden oder sonst in irgendeiner Art und Weise behandelt werden, die er und natürlich auch sie nicht möchte.
Allgemein denke ich, dass es doch total egal ist ob jetzt ein Mann oder eine Frau vom Bühnenrand springt. Wir versuchen immer Mädels zu ermutigen sich nicht von teilweise leider vorhandenem Macho-Gehabe abschrecken zu lassen und sich nicht in der letzen Reihe zu verstecken. Mittlerweile, so kommt es mir vor, sind Frauen auch nicht mehr so unterrepräsentiert auf Hardcore Shows. Das finde ich sehr cool!

partyausfall.de: Möchtet ihr vielleicht sonst noch etwas loswerden?

Checkt unsere Myspace-Seite ( www.myspace.com ), schreibt uns dort, kauft und tragt unseren Merch, kommt auf unsere Shows und seid gespannt auf unsere neuen Songs! Vielen Dank für das Interview! Felix | TEAMKILLER

 

Bilder/Credits: Band

shorty
Autor: shortyRegistriert: 25.04.2005 - Verfasste Artikel: 5 - Forenposts: 926 - Alle Artikel anzeigen
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