[Review] CALLEJON - Man spricht deutsch

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[Review] CALLEJON - Man spricht deutsch

Beitrag von GotB » 23.01.2013, 10:40

CALLEJON - Man spricht deutsch

VÖ: 11.01.2013
Label: Four Music (http://fourmusic.com/)

Bild

Tracklist:
01. Schrei nach Liebe
02. Schwule Mädchen
03. Alles neu
04. Ich find dich scheisse
05. Durch den Monsun
06. Mein Block
07. Alles nur geklaut
08. Ein Kompliment
09. Major Tom
10. MFG
11. Hier kommt Alex

Spieldauer: 40:07

Nun ja, mit Coveralben ist das ja immer so eine Sache, kommen die Neuvertonungen größtenteils doch sowieso nicht annähernd an die Originale heran, ist die Songauswahl oft unpassend und die Resultate oftmals alles andere als überraschend. So erscheint es wie ein schlechtes Omen, dass sich das deutsche Metalcore-Aushängeschild CALLEJON nach dem letzten Album „Blitzkreuz“, welches mich nicht gerade überzeugen konnte, Anfang 2013 der elf Tracks starken Cover-LP „Man spricht deutsch“ widmet. Bevor hier irgendwelche Kontroversen aufkommen: direkt neben dem Titel prangt auf dem Artwork in fetten Lettern „Nazis raus!“. Korrekt!

Wie der Name schon vermuten lässt, steht hier Deutschsprachiges im Fokus und was ich beim Studieren der Tracklist wohlwollend zugeben muss: die Auswahl kann sich sehen lassen, bietet sie doch einen durchaus coolen Auszug aus der deutschsprachigen (vorrangig) Rock-Szene, mit respektive zwei Ausnahmen.
„Man spricht deutsch“ beginnt mit „Schrei nach Liebe“, welches ja schon vor einigen Wochen publiziert wurde. Das Mitwirken vom hockerlosen DIE ÄRZTE-Schlagzeuger Bela B. untermalt sicherlich die Ernsthaftigkeit dieses Covers und tatsächlich geht mir die gekeifte Metalcore-Version dieses Klassikers richtig gut rein. Allein der Message wegen sollte dieser Song jedem ein Begriff sein, auch denjenigen, die sich nach wie vor über das DIE ÄRZTE-Punk-Sell out das Maul zerreißen.
Es folgen FETTES BROT mit „Schwule Mädchen“. Zu diesem Song bin ich damals in der sechsten Klasse in der Disse auf Klassenfahrt richtig ausgerastet – so viel dazu, unfassbar wie lange das schon wieder her ist. Mit annähernd authentischem Intro-Sample legen CALLEJON los und wie das Original geht auch die Stromgitarren-Version gut nach vorne. Was ich etwas zu kritisieren habe ist wohl die Tatsache, dass dieser Track eben genau danach klingt, was er ist. Somit fehlt irgendwie etwas das Überraschungsmoment.

Nach dem objektiv durchaus gelungenen PETER FOX-Cover „Alles neu“, auf welches ich hier nicht näher eingehen werde, weil ich PETER FOX abgrundtief hasse und nach dem ersten obligatorischen Durchlauf fortan immer durchgeskippt wurde, folgt ein erstes richtig großes Highlight von „Man spricht deutsch“: Denn „Ich find dich scheisse“ von TIC TAC TOE bietet im CALLEJON-Gewand eben genau die Überraschungen, die ich bei FETTES BROT vermisst habe: so erwartet einen hier ein straighter Punksong mit richtig räudigem Gegröhle – schön!

Setzen wir fort mit Track Nummero fünf, bei welchem wie bereits eingangs angesprochen die Ernsthaftigkeit der Auswahl als eher geringer anzusehen ist: Auf dem Plan steht nämlich ein Song des legendären deutschen Rock-Outfits TOKIO HOTEL, bezeichnenderweise um deren wegweisende Debüt-Single „Durch den Monsun“. Und man muss zugeben: auch nachdem einige Jahre ins Land gegangen sind, hat der Track nichts von seiner Hirnlosigkeit eingebüßt. Für eine Interpretation mit beidseitigem Augenzwinkern holen CALLEJON aber durchaus das Unterhaltsamste heraus und der Refrain lässt sich nun sogar fast richtig gut hören.

Kurzer Zwischenstand: Überraschend! Denn „Man spricht deutsch“ ist bislang alles andere als schlecht und bietet zum Großteil mehr als nur vorausschaubares Verwursten von Gassenhauern. Und das ändert sich auch im Folgenden nicht.

Das SIDO-Cover „Mein Block“ ist da gewissermaßen noch der schwächste Beitrag, da des Ausgangsmaterials verschuldet alles recht simpel und linear daherkommt, ebenso wie „MFG“ von DIE FANTASTISCHEN VIER, auf deren Label diese LP nebenbei auch erscheint.

Herausheben möchte an dieser Stelle aber als eingefleischter Sachse „Alles nur geklaut“, da DIE PRINZEN bekanntermaßen höchstes Kulturgut sind. Und auch beim Cover haben CALLEJON großartige Arbeit geleistet. Angefangen vom metallastigen Intro, den „Heo!“-Growls und den durchgeprügelten Doublebass-Passagen bis hin zu wirklich leckerem Riffing in den Bridges – hier hat alles Hand und Fuß und bietet für mich das unangefochtene Highlight von „Man spricht deutsch“.

Auch die restlichen Tracks, auf die ich hier nicht näher eingegangen bin (unter anderem „Hier kommt Alex“ von DIE TOTEN HOSEN und eine unterhaltsame Interpretation von PETER SCHILLINGs „Major Tom“), können überzeugen und ich muss sagen: Chapeau, CALLEJON. Das geht hier richtig gut rein. Die wirklich gelungene Songauswahl gepaart mit der soliden, wenn auch auswechselbaren Produktion, macht „Man spricht deutsch“ zu einem der besten Vertreter im (zugegebenermaßen komplizierten) Metier der Cover-Alben. Reinhören lohnt.

Punkte: 8/10

Disko:
2013 – Man spricht deutsch
2012 – Blitzkreuz
2010 – Videodrom
2008 – Zombieactionhauptquartier
2007 – Fauler Zauber Dunkel Herz
2006 – Willkommen im Beerdigungscafé
2005 – Chronos EP

Links:
http://www.facebook.com/callejon


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Re: [Review] CALLEJON - Man spricht deutsch

Beitrag von xDAVIDx » 24.01.2013, 10:11

Kein Slime-Cover?? Abhauen!

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