Filmberichte

PUBLIC ENEMIES

Eintragen am: 02.01.2011 | Genre: Action | Land: USA | Jahr: 2009 | Spielzeit: 140 min | FSK: 12 Jahre

Fast neun Jahre verbrachte John Dillinger in Haft. Nach seiner Entlassung im Mai 1933 holt er das Leben mit großen Atemzügen nach. Überfällt Banken, genießt Alkohol, Geld und Frauen, findet in Billie Frechette seine große Liebe, die ihm trotz erzwungener Trennungen die Treue hält. In 13 Monaten wird Dillinger zum Helden der Bevölkerung, weil er in der Zeit der Großen Depression die verhassten Banken bluten lässt. Und zu einer Reizfigur, die die Agenten des FBI und auch die mächtigen Syndikate am liebsten tot sehen würden.

 

Als ich den ersten Trailer zu PUBLIC ENEMIES gesehen hatte, entfachte eine derart große Euphorie in mir, dass ich auch gleich wieder meine geliebten Mafia Klassiker der 30er Jahre ansehen musste. Ok, die Geschichte rund um John Dillinger hat nicht wirklich viel mit der Mafia zu tun, dennoch spielte es in der gleichen Zeit wie Al Capone und demnach punktet die Verfilmung schonmal mit dem Setting.

Als dann der zweite Trailer erschien, wunderbar mit actionreicher Musik unterlegt, gabs nochmal einen Euphorieschub und ich konnte es nicht erwarten endlich ins Kino zu gehen. Nachdem ich PUBLIC ENEMIES nun gesehen habe, macht sich trotzdem ein Funken Ernüchterung breit. Schuld daran sind mal wieder diese bekloppten Promo-Trailer, die einem mehr bzw. eine andere Art Film versprechen, als er letztlich ist.

Aber widmen wir uns nochmal der Geschichte, bevor ich eine Wertung abgebe. Der Name John Dillinger dürfte weitestgehend ein Begriff sein. Er war ein berüchtigter Bankräuber der 30er Jahre und der erste ernannte Staatsfeind des F.B.I. - dazu muss man allerdings auch sagen, dass Dillingers größte "Schaffensperiode" gerade mal von 1933 bis 1934 ging. Er war so etwas wie eine moderner Robin Hood - wie man es vielleicht zu sehr romantisieren könnte - da er zwar die Banken überfallen, dem "kleinen Mann" aber sein Geld gelassen hat. Dadurch und durch seine Unverfrorenheit den Gesetzeshütern gegenüber, erntete er viel Sympathie im Volk. Man darf die Taten deswegen trotzdem nicht verharmlosen, Dillinger und seine Bande waren kaltblütige Mörder und Räuber.

Actionspezialist Michael Mann hat diese Biografie-Verfilmung übernommen und sich mit Johnny Depp und Christian Bale wahre Hit-Garanten ins Boot geholt. Man munkelte schon das Michael Mann nochmal zu seiner Klasse aus "HEAT" zurückfinden könnte - doch das war und ist ein zu hochgestecktes Ziel. Man kann eben eine reale Geschichte nicht actionreicher darstellen, als sie wirklich passiert ist. Ich denke, dass war auch mein Fehler als ich ins Kino gegangen bin und deswegen anfangs nicht ganz so begeistert war.

PUBLIC ENEMIES punktet mit extrem tollen Sets, die Atmosphäre und das Flair der 30er Jahre sind trotz HD-Bild wunderbar zur Geltung gekommen, die Musik dudelt sanft im Hintergrund und die Knarren (ich liebe die TommyGun, haha) röhren wie es sich gehört. Dem entgegen steht allerdings eine etwas holprige Erzählweise, die Locations wechseln recht häufig und einmal mehr hätte ich mir gewünscht, dass man zeitliche Abläufe via Datum einblendet.

Ob Dillinger wirklich so von sich überzeugt, so besitzergreifend und doch auch naiv war, kann ich nicht sagen - allerdings spielt Johnny Depp seine Rolle wirklich überzeugend. Auch Christian Bale steht ihm in Nichts nach und so bekriegen sich die beiden Hauptprotagonisten wie einst Al Pacino und Robert De Niro in HEAT - erreichen aber dennoch nicht deren Klasse.

Das man für den Film einige reale Details verändert hat mag nicht sonderlich stören, wenn man nicht gerade an den Hintergründen interessiert ist und sich zum Thema beliest wird es auch garnicht auffallen. Ist eben nur etwas ärgerlich das man nichtmal bei den Fakten bleiben kann.

Als Fazit kann ich sagen das PUBLIC ENEMIES ein richtig guter Gangsterfilm geworden ist, der auch heftige Shoot-Out's parat hält. Trotzdem sei allen Actionfans gesagt dass sie hier nicht durchweg auf ihre Kosten kommen! Im Film dominieren die Dialoge, direkte Schusswechsel gibt es glaube ich nur gerade mal 5 oder 6 über die komplette Länge. Also am Besten die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, dann wird man auch nicht enttäuscht.

 

Pro
  • Johnny Depp und Christian Bale
  • 30er Jahre Setting und Kameraführung
Kontra
  • oft schnelle Locationwechsel
  • fehlende Datumseinblendung der Ereignisse
  • relativ wenig Überfälle und Actionszenen
Wertung: 8 / 10 Punkte
niffi
Autor: niffiRegistriert: 11.02.2003 - Verfasste Artikel: 19.173 - Forenposts: 12.032 - Alle Artikel anzeigen
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