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CROWDFUNDING - Ein kurzer Überblick

Fr., 05.04.2013 - 07:38 Uhr jonas von blohn | www.partyausfall.de

Da wir in der letzten Zeit immer wieder in unseren News über Bands berichteten, die bereits erfolgreich ihre Projekte über Crowdfunding finanziert haben oder es aktuell machen, wollen wir dieses Thema einmal aufgreifen und Euch ohne viel Palaver und Umschweife einen kleinen Überblick verschaffen, was Crowdfunding ist und kann - und ob es Euch als Band etwas nützt?!

Doch bevor wir zu den Details kommen, erst einmal ein paar Erfolgsgeschichten!

Im Januar 2013 startete die kanadische Metal Band PROTEST THE HERO eine Kampagne und wollte 125.000 US Dollar für die Produktion eines neuen Albums einsammeln. Letztlich kamen über 340.000 (!!!) US Dollar zusammen!

Die US Metal/Hardcore Band MISERY SIGNALS erzielte innerhalb weniger Tage satte 32.000 US Dollar von einer gewünschten Endsumme von 50.000 US Dollar - und dabei soll die Kampagne zu diesem Zeitpunkt noch 39 Tage laufen.

Und auch aus Deutschland gibt es erfolgreiche Verweise. Die Post-Hardcore Band THE HIRSCH EFFEKT sammelte knapp 2.000 EUR für eine Tourdokumentation im Herbst 2012 - dabei wollten sie nur 800 EUR erzielen.

Der Film IRON SKY sammelte etwa 700.000 EUR über Crowdfunding und auch der Stromberg Kinofilm kam durch die Hilfe der Fans zu stande, die 1 Million EUR an Unterstützung eingebracht haben.

Allerdings ist Crowdfunding kein Garant für Erfolg. Dazu später mehr.

Was ist Crowdfunding?
Crowdfunding ist im Grunde nichts anderes als das Sammeln von Geld, über eine Community und Fans, für ein bestimmtes Projekt. Böse Zungen bezeichnen es auch als "Betteln 2.0".

Der Vorteil dieser Art von Finanzierung liegt auf der Hand. Man stellt seiner potentiellen Zielgruppe sein Projekt/Produkt vor, sammelt für die Umsetzung das Geld ein und entlohnt die Unterstützer mit Dankeschöns. Letzteres ist oftmals das Produkt selbst. Und so entstehen durch die Community und deren finanzielle Spritze viele neue Projekte. Ohne Crowdfunding würde deshalb wohl manche Idee in der Schublade vermodern.

Dabei ist Crowdfunding selbst überhaupt nichts Neues. Jeder kleine Verein betreibt es, wenn er für die nächste Vereinsfeier oder beispielsweise eine neue Sportanlage im Ort etwas Geld sammeln geht. Da fallen Euch sicher auch einige Beispiele aus Eurem Umfeld ein. Dass es im Internet unter dem Begriff Crowdfunding jetzt als solch' Neuerung abgefeiert wird, haben wir wohl anderen Institutionen zu verdanken. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Wie funktioniert Crowdfunding?
Es gibt verschiedene Websites auf denen man sich anmelden kann, um dann sein Projekt anzubieten. Weltbekannt ist hier natürlich Kickstarter, die bereits 2009 gestartet sind und alles mögliche an Projekten bieten. Ob neue Computerspiele, Musikalben, Konzerttouren, Kunstausstellungen oder oder oder... die Bandbreite ist groß. Aber auch schon davor gab es einige Portale die sich an diesem Thema versucht haben. Zu nennen gilt hier Sellaband, die ab 2006 Bands eine Plattform boten, um durch Fans die Produktion eigener Musikalben finanzieren zu können.

Der Ablauf ist dabei immer gleich. Man meldet sich bei einer Crowdfunding Plattform an, stellt sein Projekt in Text, Bild und/oder Ton ein, definiert Dankeschöns für die Unterstützer und legt natürlich Summe XY fest. Die Dankeschöns sind in Stufen definiert, je nachdem in welcher Höhe man als Unterstützer Geld "investiert". Danach heißt es Werbung machen, Leute für die eigene Idee begeistern und dazu ermutigen, dass Projekt zu unterstützen.

Generell machen die Anbieter solcher Crowdfunding Websites keine Werbung für die online gestellten Projekte, es sei denn sie sind medienwirksam verwertbar. Das ist ok, letztlich soll ja auch die Website etwas davon haben.

Kostet mich Crowdfunding als Initiator etwas?!
Das ist unterschiedlich. Manche Crowdfunding Portale kassieren eine Provision bei Erfolg des Projekts, andere ziehen sich generell ein paar Prozente und schlagen es auf die Endsumme drauf. Da sich sowas aber auch schnell mal wieder ändert, solltet ihr Euch bei Interesse umfassend selbst informieren.

Theoretisch könnt ihr auch auf der eigenen WebSite Geld für Projekte einsammeln, hierbei ist nur fraglich auf welcher rechtlichen Grundlage das passiert, wie die Zahlungsabwicklung ablaufen soll und welche Datensicherheit ihr gewähren könnt. Schon aus diesen Gründen solltet ihr auf etablierte Plattformen ausweichen, die neben der Sicherheit auch diverse Zahlungsmittel (PayPal, Kreditkarte, Überweisung etc.) anbieten.

Ja, ansonsten kostet es Euch natürlich Zeit, denn ihr müsst für Euer Projekt Promotion machen - online wie offline! Das sollte man nicht unterschätzen! Die Fans erwarten News, Blogbeiträge und Fotos vom Entstehungsprozess. Sie wollen als Supporter schließlich sehen, was aus dem Geld gemacht wird und fühlen sich dadurch auch als Teil des Ganzen.

Welche Plattformen gibt es?
Wie bereits anfangs erwähnt wäre da www.kickstarter.com als Anbieter zu nennen. Dort wird vieles an Projekten geboten. Vorrangig zieht wohl aber der Name immer noch mehr als bei anderen Anbietern. Hin und wieder werden bei kickstarter.com Millionenbeiträge eingesammelt, oftmals bei technischen Produkten. Bands wie Misery Signals oder Protest The Hero haben ihr Anliegen auf www.indiegogo.com online gestellt.

Auf dem deutschen Markt konnte sich www.startnext.de etablieren. Die Seite sammelte bisher über 3.6 Millionen Euro ein. Unter anderem haben THE HIRSCH EFFEKT dort ihre Kampagne gestartet. Es gibt aber noch viele viele mehr, wie zum Beispiel www.friendfund.com oder www.pling.de - wir wollen es bei dieser kurzen Aufzählung erstmal belassen.

Nachfolgend findet ihr eine Übersicht erstellt von www.smava.de (2011):
Nicht zuletzt ist für Euch als potentielle Projektstarter auch entscheidend was passiert, wenn ein Projekt nicht die gewünschte Summe erhält. Bei www.startnext.de bekommen die Unterstützer ihr Geld wieder zurück. Es kann auch sein, dass Initiatoren eines Projekts die Differenz aus eigener Tasche zahlen, damit das Projekt trotzdem umgesetzt werden kann. Eine feste Regel scheint es da nicht immer zu geben.

Fakt ist: Eine Kampagne zu starten bedarf einer gewissen Recherche im Vorfeld.

Das klingt fast zu gut...
Es gibt aber auch eine Kehrseite! So gut das Prinzip auch ist, letztlich wird sich wie bei vielen Dingen einfach die Qualität durchsetzen.

Die Gründe warum die Projekte bei Protest The Hero oder auch Stromberg so gut liefen sind klar: unter anderem besitzen bereits eine riesige Fangemeinde oder die finanziellen Kapazitäten für solch eine Kampagne zu werben. In dem Fall muss man nur noch dafür sorgen, dass die Leute auf die Aktion aufmerksam und mit den richtigen Dankeschöns zum Mitmachen animiert werden. Der Rest ist fast ein Selbstläufer, was die teilweise 200-300%igen Summen beweisen.
Kleinere Bands dürften hier erheblich mehr Zeit benötigen bzw. mit kleineren Summen arbeiten. Deshalb sollte man sich ein richtiges Konzept ausdenken und nicht einfach unter dem Motto "Wir wollen da jetzt auch mitmischen..." starten.

Eine persönliche Einschätzung!
Wichtig bei der ganzen Sache finde ich, dass die Starter eines Projekts authentisch bleiben müssen. Wenn man ungefähr abschätzen kann, dass der gewünschte Betrag in keinem Verhältnis zum Projekt steht - und das kann man wohl bei ca. 90% der Projekte mit gesundem Menschenverstand - dann sollte man das auch nicht unterstützen.

Neben den vielen Erfolgsgeschichten gibt es hier und da eben auch ein paar schwarze Schafe, wie zum Beispiel das Diaspora Projekt. Ein dezentrales Social Network sollte es werden. Die Jungs dahinter wollten 10.000 Dollar haben, am Ende wurden es über 200.000 Dollar. Doch anstatt ein Produkt zu erstellen, haben sie es eher krachen lassen und die Kohle auf den Putz gehauen. Mittlerweile ist das Projekt an eine Community abgegeben, die dass nun (aus freien Stücken) weiterentwickelt. Oder man möchte sich gern drei freie Monate bezahlen (und vom Job freistellen) lassen, um an einer Software zu schrauben, die man auch locker nach der Arbeit und am Wochenende hätte schreiben können - um ein weiteres Beispiel zu nennen. Oder mein Favorit: die Urlaubsreise unter dem Banner einer Filmdokumentation!?!

Dennoch ist Crowdfunding selbst eine tolle Sache, die - wenn man sie richtig angeht und das quäntchen Glück hat - auch Erfolg verspricht!

Bilder/Credits: www.smava.de | www.indiegogo.com

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