Die deutsche Hardcore Band ist im Oktober anlässlich ihres 10-jährigen Bandbestehens auf Europatour unterwegs, zusammen mit QUESTIONS aus Brasilien!
Auf partyausfall.de haben wir exklusiv ein kleines Tourtagebuch eingerichtet, in der UNITED AND STRONG in Text und Bild von der Europatour berichten. Viel Spass dabei!
Unser komplettes Special zum 10jährigen Bandbestehen von UAS samt einem ca. 25minütigen Video-Interview findet ihr hier: www.partyausfall.de
Tourtagebuch
Tag 1 - 29.09.2011, Berlin, 0 km
Der erste Tag der Tour und dann auch noch in Berlin, dass bedeutet Stress. Es gab noch eine Menge zu erledigen, vorallem aber brauchten QUESTIONS noch ein Visum für die Republik Moldau. Und wir hatten nur diesen einen Tag dafür. Dank diverser Gesetzesänderungen war die Visabeschaffung erfolgreich und meine größten Bedenken genommen. Galt es nur noch das Problem mit der Platzreservierung am estnisch - russischen Grenzübergang zu lösen. Was aussichtslos erschien, denn bereits am Sonntag müssen wir in St. Petersburg sein und es gibt keine freien Plätze mehr bis Montag. Ohne Reservierung muss man eine Wartezeit von 37 Stunden in Kauf nehmen. Das alles war uns bis heut völlig neu und ist es auch erst seit diesen Sommer. Aber auch dafür fanden wir eine gechillte Lösung, wollen wir hoffen dass es klappt. Die Show war dann klassisch für Berlin, wenig Leute aber fast alles Freunde und Familie. Der stressige Tag wirkte sich aber auch sehr auf unsere Show aus, war jetzt nicht das Beste von uns, aber trotzdem ein netter Abend, denn wir wussten ab jetzt gehts los, keine Arbeit, keine Schule, nur die Tour!
Tag 2 - 30.09.2011, Olsztyn Polen, 600km, 11 Stunden

Nach einer Nacht mit viel zu wenig Schlaf für die kommenden Tage, ging es bereits früh um 7:00 Uhr los, denn auch wenn sich 600 km nicht nach soviel anhören, bis in den Nordosten Polens ist es ein Stück - so ganz ohne Auobahnen. Die Fahrt verlief ruhig, die Brasilianer waren erschreckend still und bei der Ankunft in Olsztyn stand das Essen auf dem Tisch! Was will man mehr!? Obwohl wir es gewohnt sind im Osten zu touren, fasziniert uns immer wieder wie kühl und steinig die Menschen da im ersten Moment sind. So auch bei unserer Show in einer Kneipe mit angeschlossenem Automatencasino und Billardplatten, die wir für den Pit bei Seite räumen mussten. Bei den ersten fünf Songs passierte recht wenig bei den 40 Gästen, nicht mal der Witz, dass wir Rammstein wären und mit Sepultura touren, zündete. Es sollte mal wieder Bianca sein die uns rettet. Denn dank ihr fing das Publikum an uns abzufeiern und so mussten wir zwei Zugaben spielen, was eh immer komisch ist. Danach hieß es drei Stündchen Schlaf tanken, solange gingen QUESTIONS Party machen und wir bereiteten uns auf die kommenden 15 Stunden Fahrt nach Tallinn vor.
Tag 3 - 01.10.2011, Tallinn Estland, 923km, 15 StundenDie Strecke nach Tallinn ist eine der beiden härtesten auf der Tour, aber irgendwie haben wir es geschafft nach satten 15 Stunden gut gelaunt in Tallinn anzukommen. Das lag sicherlich am kurzen Stopp an der Ostsee mit traumhaften Wetter, die Zeit reichte aber nur für ein paar Fotos, denn die Show in Tallinn sollte recht früh beginnen in der Ylase 12, dass wohl einzige und noch im Aufbau stehende alternative Zentrum Tallinns. Das ganze wirkte dann doch abgefuckter als erwartet, aber alle Leute aus der Ylase 12 waren sehr motiviert und nach einer kurzen Vorstellung des Projektes gings ab! Wir sind ja lange genug gefahren und mussten nun Dampf ablassen, das taten wir auch! Geile Show, gute Laune, super Abend! Wir machten es uns auf den Sofas, von denen vorher noch Stagedives gemacht wurden, bequem und die Schulklasse Brasilien ist ein weiteres mal auf Partymission gezogen. Ein langer Tag geht mit gutem Gefühl zu Ende.
Tag 4 - 02.10.2011, Helsinki Finnland, Off-Day, 

Leider wurde die eh schon kurze Nacht durch etwas Panikmache unterbrochen. Nach einer Stunde Schlaf kam die Partycrew zurück zum Schlafplatz im Club und war etwas aufgeregt, weil die Nazibiker von nebenan wohl am Bus geklopft hätten, was sich aber als Falschinformation herausstellte. Denn Shitboy lag tapfer im Bus und wusste nur zu berichten, dass sie an der Tür vom Club geklopft haben. Also blieben wir. Trotzdem fuhr bereits 7:30 Uhr unsere Fähre nach Helsinki, denn als wir von der Wartezeit an der Grenze zwischen Estland und Russland erfuhren, konnten wir noch schnell unseren geplanten Offday zwischen zwei Russland Shows so legen, dass wir den Offday schon jetzt nutzen können mit einer schönen Fahrt durch Finnland, zu einem entspannten Grenzübergang. Die Fährfahrt war relativ unspektakulär, da wir vor allem schliefen oder das W-Lan nutzten. Helsinki hingegen war eine gelungene Abwechslung. Die letzte Dusche lag bereits 3 Tage zurück also fanden wir eine Schwimmhalle, doch der Zutritt blieb uns verwehrt, heute war Frauenbadetag. Das wurde uns bereits an der Eingangstür grimmig entgegen gerufen. Wir fanden dann ein Hostel zum duschen, das nutzten Shitboy und ich, Questions mussten erstmal ihr 20 Stunden Schlafpensum erfüllen und blieben im Bus. Bianca und Flo entschieden sich für das Naturkundemuseum, welches in jeder Hinsicht ein voller Erfolg war.

Tag 5 - 03.10.2011, Petrozawodsk Russland, 789km, 18 Stunden
Nun war es soweit, die Grenze nach Russland. Nichts hat mir vor der Tour soviel Kopfzerbrechen bereitet, denn nachdem wir 2009 satte 10 Stunden getrennt voneinander festgehalten wurden, malte ich mir die schlimmsten Szenarien aus. Aber es sollte fast alles richtig gut flutschen. Bei der Passkontrolle wurden wir wie immer angepisst auf russisch vollgelabert. Während sie alle Pässe durchstempelten, sollten alle außer der Fahrer ins Haus, ich sollte mit dem Auto zur Zollkontrolle und alles öffnen. Es war nun mittlerweile früh um 5 Uhr und die Grenzer hatten absolut keinen Bock um diese Zeit den ganzen Bus ausladen zu lassen, das sah man ihnen sofort an und ich gab ihnen unsere Liste der kompletten Backline auf russisch. Damit sollte ich nun ins Haus und ein äußerst freundlicher Grenzer fragte mich ob ich englisch spreche. Er half mir die Zollerklärung auszufüllen die natürlich nur auf russisch war. Dann ließen sie zwei Drogenhunde auf das Auto los, bis sie wohl am Reserverad etwas rochen. Nun sollte ich das Rad abbauen. Tja nur leider ist die Schraube dafür kaputt und es bewegt sich nicht, was natürlich scheiße ist, nicht nur für die Grenzer. Nachdem dann fünf Grenzer mit mir versucht haben das Rad zu lösen, kamen nochmal die Hunde zum Einsatz und irgendwann hatten die kein Bock mehr und ließen mich endlich die anderen von uns einsacken. Es wurde sich nochmal höflich auf englisch entschuldigt, dass es so lange gedauert hat und ab gings!

Die Fahrt nach Petrozawodsk ging durch dünn besiedelte Wälder, so bekamen wir einen kleinen Eindruck der Größe und Weite des Landes. Gegen 15:00 Uhr kamen wir dann endlich an und die Stadt machte einen mega abgefuckten Eindruck bei der Einfahrt. Wir fragten uns was Herr Putin wohl denkt, wenn er sich sein Russland so betrachtet, mit zerfallener Industrie, unmöglichen Straßenverhältnissen und klappernden Trollybussen. Borland, der Veranstalter, und seine Übersetzerin gingen dann erstmal in einen Nachtclub/Restaurant/Cafe Etablissement um was zu essen, denn Borland scheint so etwas wie der Pate der Clubszene in dieser Stadt zu sein. Wir wurden dort wie Rockstars bedient und bekamen Vorspeise, Hauptspeise und Cafe Americano serviert, unsere Klamotten mussten wir an der Garderobe abgeben. Genau so stellt man sich das doch in Russland vor! Danach gab es Sightseeing und die Brasilianer kauften Souveniers, der schlimmste Kitsch war noch nicht genug!

Zur Show sollte es in eine alte Traktor- und später Waffenfabrik gehen, nur war der Club noch völlig im Rohbau und komplett verstaubt. An Stuhlgang war bei den Toiletten auch nicht zu denken, egal, so langsam füllte sich der Raum und nach Coasta aus Petrosawodsk waren wir dran. Der Staub und der schlechte Sound hielt dann aber niemand davon ab völlig durchzudrehen, kaum begann unser Intro war der Club ein einziger Pit, dagegen ist jede harte Beatdownshow in Deutschland ein Witz. Mit Boxhandschuhen und blitzschnellen Spinkicks wurde das ganze Set über die Bude zerfickt! Wir konnten es nicht fassen was da abging. Eine unglaubliche Show!
Tag 6 - 04.10.2011, St. Petersburg, Russland, 435km, 6,5 StundenDa wir mal in einem Hostel untergebracht wurden tankten wir für unsere Verhältnisse richtig viel Schlaf, 9 Uhr war Abfahrt. Auch die Straßen nach St. Petersburg waren viel besser als 2009, also verlief auch diese Fahrt ohne Probleme, die Bullen gaben einen Fick auf uns und wir auf sie.

Die Show fand imV-Club statt, das V steht für Vegan und war in einem riesigen Gewerbehof im Zentrum St. Petersburgs. Eine große Halle, nett ausgebaut bot genügend Platz zum abhängen, etwas was auf Tour immer gut kommt. Jeder konnte sich um sein Scheiß kümmern, die Kids trudelten so langsam ein, auf dem Beamer lief "Friends" auf russisch und wir wurden satt! Da wir diese Show ja kurz vorher verschieben mussten, erwarteten wir nicht soviel von dem Abend. Als es dann losging und wieder von Anfang an die russischen Körper flogen, waren wir doch recht überrascht und mega hart motiviert. Die Russen haben definitiv die härtesten Moves drauf und alles ohne bad vibes und Aggroscheiße. Es gab sogar Sing A Longs und war mal wieder ein unheimlich gute Show, wo soll das noch hinfürhen mit den Russlandshows? Die Nacht endete mit einer nicht zu enden wollender Sightseeing Tour. Diese Stadt ist einfach mächtig!
Tag 7 - 05.10.2011, Russland, 300km, 4 Stunden
Flo: Bis nach Pskov war es nicht weit, ein paar hundert Kilometer auf russischen Highways und die Sache war geritzt, bzw. wäre geritzt gewesen. Soweit kam es leider nicht: Während Bianca und ich uns die volle Shopping-Breitseite im lokalen Supermarkt gaben, versuchte Christian erfolglos den Transit zu starten. 200 Meter fuhr er und sprang dann nicht wieder an. Nun standen wir an einer der größten Straßen Sankt Petersburgs mit einem Auto, dass nicht mehr wollte. Vor meinem inneren Auge sah ich schon die große Absage-Welle der kommenden Shows auf uns zu rollen, war das sogar das Ende der Tour? Sollte der Transit uns in diesem Moment in Stich lassen? Wir checkten unsere Optionen. Erstens: Anschieben. Klingt plausibel war aber auf der Straße fast unmöglich, da diese fast immer blockiert war. Aber Questions hatten Bock drauf, also dachten wir uns: Es gibt Träumer und Macher. Und es gibt Leute, die einen Ford Transit mitten durch Sankt Petersburg schieben. Questions nutzten die Gelegenheit natürlich auch um ausgiebig Fotos zu schießen und obwohl 100 Meter weiter der Bus immer noch nicht ansprang, hatten wir zumindest eine Geschichte, die wir irgendwann unseren Enkeln erzählen können. Die nächste Option war der Anruf nach Hause.

In einer Band in der 3/4 ADAC-Gold Mitglieder sind natürlich kein Problem. München wurde kontaktiert und Hilfe sei unterwegs, versicherte man uns. Da kam natürlich nix. Ein zweiter Anruf brachte uns die Nummer des russischen Automobilclubs, der uns angeblich schon suchte. Kurzes Telefonat auf englisch und die Sache war geritzt. Eine Stunde. Daraus wurden zwei und er stand endlich vor uns. Ein kleiner Russe, der uns mit "Hallo Deutschland" begrüsste, klopfte an die Scheibe. Dann gings ganz schnell: Startkabel ran, 3 Minuten laden und der Tranist schnurrte wieder wie ein Kätzchen.Während der ganzen Zeit standen wir in Kontakt mit Pskov, würden wir jetzt losfahren, können wir die Show noch spielen. Unserem russischen Deutschland-Fan wollten wir noch ein paar Rubel in die Tasche stecken, er hatte die sich wirklich verdient, aber er weigerte sich beharrlich und beendete die Diskussion mit "No money, just friendship!" Wir waren bereit, wir waren unbesiegbar, wir würden diese Show spielen, alle Shows spielen, nichts kann uns mehr stoppen! In diesem Moment fehlten aber leider die Brasilianer und ohne die konnten wir ja wohl schlecht starten. Auch nach einer Stunde waren sie immer noch nicht da. Wir bildeten Suchtrupps um die Verschwundenen, die nur kurz zum Filmen aufgebrochen waren ("wegen des guten Lichts"), zu finden. Nach geschlagenen 90 Minuten kamen sie nun endlich. Christian war inzwischen zum Hulk mutiert und Questions konnten sich erstmal die Abreibung ihres Lebens abholen. Der Boss stauchte Questions auf 2/3 ihrer Größe zusammen, verfrachtete sie in den Bus, schloss die Busttür mit einem Knall, der die Butterfässer in Sankt Petersburg ins Wanken brachte und brachte uns zurück auf die Zielgerade.

Die Chancen und russischen Straßen waren gegen uns, aber wir wollten diese Show spielen. Mit Hilfe einer Koffeintablette holte Christian alles aus dem Transit raus, kein Überholmanöver war zu riskant, kein Truck zu breit, kein russischer Lada-Fahrer zu besoffen! Und so kam es wie es kommen musste, wir schafften es, wir spielten die Show und diese war es wert. Erneut zeigen uns die russischen Hardcorekids, was Dankbarkeit und Freundschaft heißt. 35 Minuten Abriss, einfach nur Abriss. Du weißt, dass du irgendwas richtig gemacht hast, wenn du nach tausenden KM in eine fremde Stadt kommst und ein Mensch, den du noch nie gesehen hast und der deine Sprache nicht spricht sich einen Song wünscht, den du geschrieben hast. Also beendeten wir das Set mit "Home is where the hate is", dem inoffiziellen Motto jeder Tour!
Tag 8 - 06.10.2011, Cesis, Lettland, 200km, 4 Stunden
Christian: Irgendwie hatte ich mich darauf gefreut oder war froh Russland wieder zu verlassen, an diesem Tag als ich so über die Tour nachdachte zu Beginn. Aber nun mit diesen unglaublichen 3 Shows im Rücken und der Tatsache, dass es schwer wird diese noch zu toppen auf der Tour, war niemand wirklich glücklich darüber dieses mysteriöse Land zu verlassen. Trotzdem bleibt bei mir dieser große Respekt vor Russland. Die Größe, die Geschichte, die mächtigen Städte mit massiven Straßen und Gebäuden und die Menschen welche so fern und kühl wirken aber sobald man an der Oberfläche kratzt, so ehrlich und offen sind. All das macht dieses besondere Gefühl aus, dass ich in Russland habe. Nun standen wir wieder an der Grenze und mir ging die Muffe, ich hasse das. Aber die Grenzer an der Fin.- Rus. Grenze haben gute Arbeit geleistet mit der Zollerklärung, ich musste nochmal was ausfüllen, fürs Protokoll mussten paar Stichproben ausgeladen werden, da wurde aber kaum reingeschaut, alles recht freundlich und schnell.

Wir waren back in der langweiligen EU! In Cesis angekommen, trennten wir uns von den Brasilianern um einen Tee in einer richtig ostigen Cafetaria zu trinken. Es war noch recht früh aber danach durften wir bereits zum Club und in unseren Schlafraum, wir konnten nun erstmal abhängen, was wie bereits erwähnt, Gold wert ist, besonders auf unserer Tour mit so einem straffen Zeitplan. Die Veranstalter, 2 Brüder die diesen Club selber besitzen, in einer Metalcore Band spielen und jedes Jahr ein großes Festival organisieren, wissen genau was eine Band auf Tour braucht. Und so gingen wir ein weiteres mal auf dieser Tour in ein dekadent schönes Restaurant. Da war nur für uns an einer langen Tafel aufgetischt, es gab eine Vorsuppe und Pasta. Der Abend nahm nun seinen entspannten Lauf. Die Show war für einen Donnerstag in einer Kleinstadt voll gut besucht und wir hatten nur geringe Erwartungen aber ganz im Gegenteil, den Leuten hats gefallen!
Tag 9 - 07.10.2011, Warschau, Polen, 747km, 12 Stunden

Um 7 Uhr in der früh Abfahrt in Cesis, Questions hatten die Nacht fast durchgefeiert und waren dementsprechend zerstört, die Deutschen haben ihre Mütze Schlaf bekommen und waren mehr oder weniger bereit den Transit heil nach Warschau zu bringen. Zwei Grenzen mussten genommen und 3/4 von Polen durchfahren werden. 15 Snickers, 8 Latte Macchiatio aus der Dose, 3 Energiedrinks, 2 Chipspackungen und einmal Auftanken später, rollten wir nach 18 Stunden auf einen Industriehof und warteten auf Whitey von "Nothing Between Us" aus Warschau, mit denen wir im Winter in Berlin zusammen spielten. Da der Club drei Tage vorher abgesagt hatte und vorher die Location bereits 3 mal geändert werden musste, fand die Show in einem Proberaum statt. Pavel, Drummer von "Nothing Between Us" entschuldigte sich dafür mindestens fünfmal, obwohl eigentlich allgemein bekannt ist, dass UAS für Geld überall spielen. Die Größe war perfekt und abgesehen davon, dass im Raum vor dem Konzert schon eine Luftfeuchtigkeit von ca. 120% herrschte, stimmte auch der Rest. Essen war in Mengen und in großer Auswahl vorhanden. Pavel erzählte uns von seinen Sorgen, dass er als Pole garnicht so oft nach Deutschland kommen könne, um Autos zu klauen und Spargel zu stechen, um seine gerade erworbene Eigentumswohnung in Warschau zu bezahlen. Die erste Band, quasi der lokale Support spielte ein Set von ca. 8 Minuten vor 12 Leuten. Voller wurde es nicht unbedingt, aber das machte die Show natürlich nicht schlechter, denn weniger Leute heißt gleichzeitig mehr Platz für uns zum Abgehen. Also schrubbten wir Kilometer mit jedem Song bis die Scheiße von den Wänden tropfte.

Auch Questions legten ein gutes Set hin und da intime Atmosphäre zum Experimentieren anregt, spielten sie auch irgendwelche neuen Songs, die zumindest bei uns gut ankamen. Questions waren zu dem Zeitpunkt etwas deprimiert, da ihr Backdrop verschwunden ist, welches der Hardcore-Gott vor 15 Jahren persönlich Edu, dem Sänger überreichte, oder so ähnlich. Zu allem Überfluss dachten sie noch wir hätten irgendetwas mit dem Verschwinden zu tun, weil die Meinung der Band zu Backdrops eher negativ ausfällt. Hängt vielleicht damit zusammen, dass auf dem ersten UAS-Backdrop, welches Shitboy im Gewächshaus höchstpersönlich zeichnete "United And Stong" stand. Oder auch, dass heutzutage jede zweitklassige Band 4x6m Backdrops haben, bevor überhaupt mal ein Konzert gespielt wurde. Questions hingegen sind zweifelsohne eine der wenigen Bands die sich ein Backdrop verdienen. Nach dem Konzert blieb nicht viel Zeit. Das Equipment wurde erneut in den Tranist gerammelt und wir begaben uns auf unsere längste Fahrt: Warschau - Cluj Napoca in Rumänien.
Tag 10 - 8.10.2011, Cluj Napoca, Rumänien, 1005 km ,18 Stunden

Punkt ein Uhr rollten wir auf die Straße Richtung Süden. Shitboy und ich übernahmen die erste Schicht. Shitboy fuhr, ich passte auf, dass er nicht einschlief, fütterte ihn und redete ihm gut zu. So schafften wir die ersten 300 KM. Gegen vier wechselten wir und Christian übernahm das Steuer, Bianca den Co-Pilotinnensitz. Ich blieb noch etwas wach, wurde aber irgendwann vom Schlaf überrollt. Die wahre Größe von Polen erkennt man nur, wenn man wirklich einmal vom Norden bis Süden gefahren ist. Irgendwann gegen Mittag erreichten wir die Slowakei und boxten uns durch die Hohe Tatra und andere Gebirgsausläufer. In Ungarn erreichte uns dann eine Hiobsbotschaft, unserer Kumpels "The Lines We Cross" aus LE mit denen wir eigentlich die nächsten 4 Shows bestreiten wollten. Deren Bus lag irgendwo in Ungarn. Diagnose: vermutlich defekte Zylinderkopfdichtung, Reparatur mind. 3 Tage ab Montag. An einem Samstag natürlich scheiße. Sie mussten nicht nur ihre Show mit uns in Cluj absagen sondern sind am gleichen Abend noch zurück nach Leipzig gefahren wurden. Es gibt für Bands auf dieser Erde nichts beschisseneres als ein Konzert absagen zu müssen, wenn man nichts dafür kann und auch bei uns hinterließ der Vorfall ein flaues Gefühl im Magen und zeigte, wie anfällig man als Band eigentlich für so eine Scheiße ist, besonders wenn man im Ausland unterwegs ist. Wir dackelten weiter, inzwischen durch Rumänien. Im Großen und Ganzen war es eine lange Scheißfahrt und die letzten 200KM setzten dem noch ein kleines Scheißkrönchen auf. Wir vertrieben uns die Zeit damit maßlos Süßzeug in uns reinzufressen, die Pferdewagen zu verfluchen oder Straßenhunde-Road-Kill-Leichen zu analysieren. Was das angeht, ist Rumänien gnadenlos.


Die letzte halbe Stunde führte Shitboy Selbstgespräche mit seiner Kamera und der Rest ergötzte sich an rumänischen Radiosendern. Cluj Napoca war etwas besonderes für uns. Vor vier Jahren waren wir das erste Mal in Rumänien und seitdem jedes Jahr. Cluj ist quasi das Zentrum unserer Rumänien-Connection und wir hatten eine Menge Hände zu schütteln. Eine unbekannte Frau schenkte Bianca vor dem Konzert einen Blumenstrauß was knallhart von uns ausgenutzt wurde, denn nun konnten wir dass tun, von dem Christian schon seit 10 Jahren UAS träumte: Blumenverteilen vor dem Moshpart. Selbstredend wurde die Show, trotz relativ weniger Anwesenden, ein Bombending. Fetter Sound, riesen Bühne, unzählige Circle Pits, 2Step-Einlagen, Moshs, usw. das komplette Programm halt. Auch Questions lieferten im Anschluss ein ähnliches Qualitätsprodukt ab, trotz ihrer gedämpften Laune, die durch die noch immer anhaltende Trauer wegen des verlorenen Backdrops ausgelöst wurde. Edu wertete den Verlust sogar als schlechtes Omen und erwägte wirklich die Band nach der Tour aufzulösen. Zufälligerweise sollten an dem Abend zwei Bands aus Deutschland in Cluj an zwei verschiedenen Orten spielen, der Versuch die Shows zusammenzulegen scheiterte aber daran, dass Herr Schenker sein Handy nicht an hatte. Die große Bandfehde Scorpions-UAS, ausgelöst letztes Jahr, als wir den Scorpions den Titel "Erste deutsche Band in Moldavien" abluchsten, weil unser Konzert 2 Tage früher war, wurde dadurch nicht entschärft. Klar können wir nicht behaupten, dass einer unser Songs im Alleingang die Sowjetunion zerschmettert hat, aber wir haben definitiv die stumpferen Moshparts, und das, Scorpions, ist am Ende das Einzige was zählt!
Tag 11 - 9.10.2011, Chisinau, Republik Moldau, 574km, 12 StundenNach der 18 stündigen Fahrt am Vortag blieb uns leider ein Ausschlafen verwehrt, denn diesmal mussten wir mindestens 400km auf rumänischen Straßen fahren und 120 auf moldawischen plus die Grenze. 12 Stunden kostete uns der Spaß und ich glaube das bleibt die Standardzeit auf unserer Tour. Andere Bands schütteln mit dem Kopf wenn sie so ein Routing sehen, aber wie soll man bitte sonst in 17 Tagen vom Norden Russlands bis Istanbul touren? Es gibt halt Träumer und United And Strong.

Grenzen sind ja nicht so mein Steckenpferd und machen mich immer tierisch nervös, liegt auch daran dass die ganze Verantwortung in dem Moment auf meinen Schultern lastet, ich versuche mit den meistens unfreundlich bis aggresiven Grenzbeamten zu reden, öffne den Van, erkläre das wir Musikanten sind, halte meine Papiere zusammen, renne in irgendwelche Häuser und versuche das beste aus der Situation zu machen damit wir schnell drüber kommen. Auch diesmal machte die moldawische Seite der Grenze überhaupt keinen seriösen Eindruck, diverse Leute sprachen auf englisch und auf russisch mit uns. Es hieß ich soll eine Deklaration machen, dann doch nicht mehr und zum Schluß noch eine willkürliche Steuer bezahlen. Die Einfahrt nach Moldawien war dann wieder klassisch, Pfützen und Schlamm und der Grenzgegenverkehr der sich chaotisch staute. Die Straßen, die schlechte Beleuchtung anderer Verkehrsteilnehmer ließen uns mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50km/h Chisinau gegen 20:30 Uhr erreichen. Vorm Club erwarteten uns Vova, Slava und Daniel, unsere Chisinau Connection, sie waren sichtlich erleichtert über unsere Ankunft, denn bei diesen Grenzen weiß man nie.

Das Boogiemen Fest lief schon seit 15 Uhr und der kleine Club mit zwei Floors und Bühnen war randvoll. Wir mussten direkt aufbauen und spielen, was uns nicht stört, denn wir saßen den ganzen Tag im Auto und brauchten Auslauf. Die Show war wild, ein paar Hardcorekids machten halt die klassischen Moves und ein paar Leute waren einfach wegen der lauten Musik da und konnten damit nichts anfangen, das sorgte für Zündstoff, wir mussten einmal abbrechen und für Unity sorgen. Aber es blieb wild, Stagedives, Circlepits und krasses abfeiern. Zwischen den Songs mussten wir immer wieder Hände schütteln. Auch diesmal bleibt nur zu sagen, fette Show, der ganze Stress und die Fahrerei ergaben ein Sinn. Geschlafen wurde wieder bei Slava, seine Familie wurde auf den Dachboden verfrachtet und wir 8 Leute hatten fast alle ein Bett und es gab Essen, gutes Essen und viel Essen. Das ist moldawische Gastfreundschaft! Das Highlight war aber Vladimir aus Transnistrien, ein Freund von Slava der extra für die Show kam, sein Pass wurde fotografiert und ihm wurden Löcher in den Bauch gefragt über das pesudo Land aus dem er stammt.

Tag 12 - 10.10.2011, Off-Day, Chisinau, Republik Moldau, 5km (zu Fuß)

Flo: So ein strategisch gesetzter freier Tag auf Tour kann schon Wunder wirken. Normalerweise bin ich gegen alles und jeden, was den Schlafen-Fahren-Spielen-Kreislauf unterbricht, aber diesmal haben wir die freie Zeit wirklich mal gebraucht. Das erste Mal seit Tourbeginn konnten wir ausschlafen und den Tag mit einem ordentlichen Frühstück beginnen. Ordentlich heißt 2cm dicke frittierte Pan-Cakes mit Honig, dazu heißen Tee. Danach ging es ab in die Stadt. Es gab ein paar Programmpunkte, die es abzuhaken galt. 16 Uhr sollte es im ehemaligen Gebäude des Museums eine Art Podiumsdiskussion über Hardcore geben. Das Museumsgebäude haben ein paar pfiffige Moldavier zusammen mit unserem Homie Daniel der Kulturminister legal besetzt und waren nun dran, das Ding einigermaßen bewohnbar zu machen und vorm Abriss zu bewahren. Vorher führten uns aber Slava, Daniel und Vadim durch die Innenstadt, zeigten uns die lokalen Points Of Interests sowie andere Absurditäten des moldavischen Alltags. Moldawische Bürokratie, an Land geschwemmte Mammutknochen sowie ein amerikanischer Großinvestor, der ein Spaßbad plante, führten zum Beispiel dazu, dass relativ nah am Zentrum der Stadt ein fast ausgetrockneter Tümpel inkl. langsam zerfallende Strandpromenade liegt. Einfach mal so. Den Steve Jobs Schrein vor der amerikanischen Botschaft durften wir leider nicht fotografieren. Auch der erste Zoo der Stadt löste in uns eher gemischte Gefühle aus. Ein paar Gänse, Emus und zwei Adler, die in einem Minikäfig ihre Zeit totschlugen.


Eindrucksvoll dagegen war wiederum das "besetzte" ehemalige Museum. Große hohe Räume, verwachsene Gärtchen, einen großen Konzertraum, Blümchentapete und eine kleine Bibliothek ausgewählter französischer Schriften. Nett eingerichtet war der Raum in dem das Gespräch stattfinden sollte. Für die Referenten gab es Essen und warmen Tee. Nachdem wir uns die Teekrümel aus den Zähnen gekratzt haben, begann Daniel mit geschickten Fragen uns auch noch die letzten Geheimnisse herauszulocken. Dem nicht besonders zahlreich erschienen aber hoch interessierten Publikum gefiel es und wir schüttelten im Anschluss die Hände aller drei Anwesenden. Christian und Daniel verabschiedeten sich für eine kurze Zeit um dubiosen Geldgeschäften nachzugehen während sich die Crew wieder auf den Weg machte. Questions deckten sich mit Schnapps und Wein ein während wir ähnliche Massen an Schokozeugs kauften. Bei Slava wartete schon die nächste Mahlzeit auf uns und wir ließen den Abend relativ unspektakulär in netter Gesellschaft unserer moldavischen Freunde ausklingen, mussten wir doch am nächsten morgen fit und motiviert früh Richtung Bukarest starten.
Tag 13 - 11.10.2011, Bukarest, Rumänien, 450km, 10 Stunden
Christian: Aus der Sicht eines dummen Westeuropäers ist der Unterschied zwischen Moldawien und Rumänien immens und obwohl wir kein Opfer von korrupten Bullen oder der Russenmafia geworden sind, ist doch immer ein Gefühl von Abenteuer in den Ex-Sowjetländern dabei. Dieses Abenteuer nimmt aber sofort ein Ende wenn an der Grenze die EU Sterne erscheinen, das ist irgendwie schade aber wenn ich ehrlich bin hab ich die Grenzübergänge gen Osten aus der EU raus und die Angst vor korrupten Bullen, satt. Für meine Nerven sollte es nun also wieder etwas Freizeit geben. An der Grenze lief alles gut und schnell ab, was aber an der UAS und Questions CD lag, die die Grenzer sehr erfreuten. Die Fahrt nach Bukarest führt uns durch den staubigen Teil Rumäniens, der ganz anders ist als Transilvanien. Nach 10 Stunden kamen wir gechillt am Club an. Direkt nach der Ankunft wurde kräftig gehustlet auf der Straße, Kids baten uns um Euros und noch bevor ich ein UAS Sticker verkleben konnte, wurde er mir auch abgebettelt. Aber Questions hatten alles unter Kontrolle, als Brasilianer wissen sie genau wie man solche Situationen handhabt. Nach einer Stunde kam dann auch unser langjähriger Freund Paul, er hat uns 2008 das erste mal nach Rumänien geholt und unterstützt uns seitdem immer mit Shows.



Er nahm uns dann noch mit zum Chauchesko Palast, das Zweitgrößte Gebäude der Welt. Paar Fotos wurden geschossen und wieder zurück zum Club geflitzt. Die Show war leider schlechter besucht als das letzte mal 2010 in Bukarest, trotzdem ging was, die Stimmung war gut und wir freuten uns auf Istanbul!
Tag 14 - 12.10.2011, Istanbul, Türkei, 740km, 14 Stunden
Bianca: Als wollten uns die 3 Gänse an einer Tankstelle Lebewohl zuschnattern auf unserer Reise raus aus der Türkei nach Griechenland. Scheinbar sehr durstig waren sie auf der Suche nach Wasser. Bei unserem letzten Halt in der Türkei fanden die drei eine Abkühlung in den Benzin durchzogenen Pfützen auf dem Gelände. Anstatt ein Lebewohl war uns ein Auf Wiedersehen jedoch lieber, denn wir alle wollten nicht das letzte Mal hier gewesen sein. Zumindest hat uns der kurze Aufenthalt in Istanbul zutiefst beeindruckt. Schon die Einfahrt in Istanbul mit dem kurzen Halt an einer Tankstelle zeigte uns die Gastfreundschaft dieses Landes, dieser Stadt. Der Tankstelleneigner kam begrüßend auf uns zu, als sich raus stellte das die Türkei nicht unsere Heimat war. Schnurstracks lud er Edu auf einen Tee ein, den er aber aus Zeitgründen und etwas Skepsis ablehnte. Wir mussten uns wirklich ran halten. Zwar lagen wir sehr gut in der Zeit, denn es war gerade mal ca. 14 Uhr, aber Istanbul lag vor uns wie ein eigenes kleines Land, so riesig ragte es um uns hervor. Jetzt schlägt Florians Stunde. Eine echte Herausforderung lag nun vor ihm, nämlich Christian den Weg zum Club weisen durch dieses einzige zu entwirrende Wollknäuel. Auch für Christian sollte nun eine Abenteuer-Stadtfahrt beginnen. Den Bus durch die bergigen, engen Gassen zu fahren, auf die vielen Menschen und den massiven sich andauernd stauenden Verkehr zu achten war nicht leicht. Als wir dann tatsächlich nach 2 Stunden Stadtfahrt am Club ankamen hieß uns der Besitzer herzlich Willkommen. Der Rock'n'Rolla Club war nicht zu groß und nicht zu klein. Die Bühne war etwas höher gelegen und eine Eisenstange trennte Bühne und Tanzfläche von einander. Das schien jedoch weniger bedrohlich sondern sorgte eher für munteres Lächeln. Ein paar Minuten später traf dann auch Tanju, der Veranstalter der heutigen Show hinzu. Tanju wusste genau was wir brauchten. Essen, Trinken, einen Schlafplatz, an alles war gedacht. Wir mussten den Bus ein Stückchen weg vom Club parken, da wir nicht in der kleinen schmalen Gasse des Clubs halten konnten. Durch die Hilfe anderer nette Leute war unserer Equipment schnell bergauf zum Club getragen. Nachdem Christian den Bus dann auf einen bewachten Parkplatz fuhr, konnten wir erstmal im Hostel einkehren. Das Hostel lag nur ca. 2 Minuten Fußweg vom Club entfernt, direkt gegenüber vom Erotik Shop. Hier konnten wir uns frisch machen, Internet checken und einfach mal gobbern. Kurz darauf checkten wir den Sound und aßen währenddessen Schnitten. Christian holte uns noch ein paar geröstete Esskastanien für einen stolzen Preis, aber kein Preis ist ihm zu hoch wenn es um das Wohl der Band geht. Tanju zeigte uns danach die angesagteste Adresse wenn es um billiges aber gutes Essen geht in Istanbul. Während Questions durch das Viertel zogen aßen wir viel, gut, teilten brüderlich und danach war uns zum erbrechen schlecht. Es war einfach zu viel. Einen Spaziergang zum Auto, welcher sich hinzog, da Christian sich über den Weg nicht mehr ganz im klaren war, sollte unseren Magen etwas stimulieren.


Um 21 Uhr sollte die Show beginnen. Tanju ließ richtig coole Eintrittskarten drucken. Es gab also keine 0815 Stempel sondern Tickets mit den Logos der Bands des Abends und mit einem kleinen im Hardstyle posenden, von Edu gezeichneten Christian drauf. Alles war top organisiert und gut durchdacht von Tanju. Leider blieb der Club jedoch spärlich besucht. Wir starteten ca. 21.30 Uhr. Christian versuchte wie gewöhnlich die Crowd aufzuheizen was durch vermutlich einer falschen Wortwahl, wie Florian später bemerkte, etwas scheiterte. Wir hatten trotzdem alles gegeben und damit auch unseren Spaß. Ein paar Fans konnten wir am Ende doch noch gewinnen. Bei Questions ließen wir dann noch mal die Sau raus bevor der Abend sich dem Ende zu neigte.

Nachdem der Bus wieder beladen war ging jeder für ein paar Stündchen seinen Weg. Damit Christian und Shitboy ihrer Neigung zum FKK freien Lauf lassen konnten gingen beide straight zum Hostel. Florian und ich zogen noch ein wenig rum mit einer Cola Dose in der Hand und ein paar Lire in der Tasche. Questions waren auch noch unterwegs, aber am Ende lagen wir dann doch alle wieder zusammen im Hostel. Früh am Morgen ging es um 8 Uhr los. Auf zum Bus um anschließend noch über den Bosporus nach Asien rüberzufahren, damit Christian seine Notdurft verrichten konnte um 5 Minuten später wieder zurück nach Europa zufahren. Jetzt führt uns der Weg nach Griechenland zur nächsten Show auf unserer unvergesslichen Reise. Zu den Gänsen sagen wir Lebewohl, zur Türkei aber Auf Wiedersehen.
Tag 15 - 13.10.2011, Volos, Griechenland, 800km, 12 Stunden

Christian: Die türkische und griechische Autobahn lässt uns das erste mal auf der Tour schneller als 100km/h fahren und somit schaffen wir die wirklich lange Strecke recht schnell, das wäre in Rumänien oder Polen unmöglich gewesen. Die Grenze von der Türkei nach Griechenland war zwar schwer gesichert mit Soldaten aber die Kontrolle an sich war ein Witz! Von wegen Festung EU, nun gut, mir solls recht sein! Das wir wieder in Westeuropa angekommen sind, checkten wir spätestens bei den Diesel Preisen, 1,50€ für den Liter im Krisen gebeutelten Griechenland ist mal ne Ansage. Und genau das war auch der Grund für den ersten harten Streit auf der Tour, der bedingt durch meine Müdigkeit erst richtig in Fahrt kam. Weil ich so schön schlief wurde einfach blind drauflos getankt und der Transit randvoll gefüllt mit teurem Diesel obwohl wir schon eine halbe Tankfüllung später in Mazedonien sein werden und da der Diesel sicherlich weniger kostet.

Ich war angepisst dass ich nicht gefragt wurde und der Rest war angepisst weil ich so angepisst war wegen den paar Euros, was ja auch stimmt. Das reichte aber für Funkstille bis kurz vor Showbeginn. Die Show fand in einer riesigen von Studenten und Punks besetzten alten Zigarettenfabrik im Zentrum der Stadt, statt. Eigentlich ganz geil, nur wollte der Funke nicht so überspringen und mir hörte bei meinen Ansagen auch niemand zu, was mich immer etwas fuchsig macht. Dazu kam noch dass Flo die ganze Zeit auf einem in Pisse getränkten Teppich stand. Wir wurden halt auch einfach verwöhnt auf der Tour was die Publikumsreaktionen angeht, dass jetzt wieder alles etwas ruhiger abläuft, daran müssen wir uns nun gewöhnen. Dachten wir noch Biancas und Flos nächtlicher Streifzug durch die Lokale Istanbuls war eine Ausnahme, so wurde auch heute nach dem Bezug der Schlafplätze trotz später Stunde ein Ausflug in die Stadt gemacht. Damit waren Flo und Bianca die einzige Partyfraktion an diesem Abend.


Tag 16 - 14.10.2011, Larissa, Griechenland, 55km, 1 Stunde
Flo: Nach den vergangenen Mammutfahrten erwarteten uns heute luschige 55 Km durch Griechenland. Dementsprechend ließen wir uns auch mit der Abfahrt Zeit, schliefen bis Mittag und frühstückten ausgiebig in einem Café. Nachdem alle Brasilianer eingesammelt wurden, ging es los. Mit Volos hatten wir unseren südlichsten Punkt der Reise erreicht. Von nun an ging es Richtung Norden bis an die Stadttore Berlins. Am Rande Larissas gab es noch einen kurzen Zwischenstopp im Mega-Outlet. Da wir mal wieder zu zeitig am Club waren, wurde der angrenzende Supermarkt geplündert und die Deutschen kauften einen Jahresvorrat an Olivenöl in Kanistern weswegen wir nur Spot von den Brasilianern ernteten. Berechtigterweise, hatten wir uns die Tage zuvor immer über ihre Shoppingmarotten und Souvenirwahn lustig gemacht. Zwischendurch noch den Magen mit Weißbrot, Oliven und Feta gestopft, ging es zurück zum Club. Inzwischen war Nick der Veranstalter eingetroffen und wir taten das, was wir am besten konnten: Equipment ausladen. Da es immer noch viel Zeit zum Totschlagen gab, nahmen wir uns kurz die Stadt vor: da seit ein paar Wochen die Müllabfuhr streikte, waren die Straßen voller Müllhaufen und es stank nach Müll. Überall.

Den Griechen schien das nichts auszumachen und sie stapelten den Müll weiter freudig auf dem Bürgersteig. Relativ spät ging es dann mit den zwei Vorbands los: irgendwelcher Metalkrams mit Kindern an der Gitarre, die zwar gut spielen konnten, aber der Funke nicht so richtig übersprang, milde formuliert. Hauptsache schön lange Soundcheck machen. Ein positiver Aspekt des Abends war, das die ganze Zeit vor dem Konzert und zwischen den Bands "Rancid" lief und ich endlich mein geballtes Rancid-Wissen auf meine Mitmenschen loslassen konnte. Zugegeben, nach dem 4. Mal 'Ruby Soho' fing auch ich an abzukotzen.

So richtig viele Menschen standen nicht vor der Bühne als wir anfingen, aber uns gings gut und die Show wurde, ich nenn es mal solide. Micha schien auch gute Laune zu haben, denn ich hörte immer nur wie er irgendwas ins Mikro kreischte und wenn er genügend Energie während des Konzerts hat um mich mit blöden Sprüchen zu mobben, dann find ich das eigentlich gut. Während der letzten Tour mit Questions 2009, an der ich nicht teilnahm, schien es damals in Larissa zu einem mittelschweren Desaster gekommen zu sein. Die partywütigen Griechen adoptierten Questions und gaben sie nicht wieder raus, was dazu führte, dass die Band mühsam in der ganzen Stadt zusammengesucht werden musste und es zu einer langen Verzögerung der Abfahrt kam. Auch diesmal waren wieder alte Freunde der Brasilianer aufgetaucht und dementsprechend wurde die Show. Few people, but real people, wie Edu es ausdrücken würde. You know?


Nach der Show wurde den Brasilianern noch eine Regel mit auf den Weg gegeben: Abfahrt 12 Uhr! Kein 2. Griechenland! Questions und wir sollten jeweils woanders schlafen, weswegen wir mit unserem Gastgeber in seine Wohnung fuhren, die doch etwas außerhalb lag. Die Nacht war jung, deshalb entschieden Bianca und ich unsere Partytradition fortzusetzen, schnappten uns die Busschlüssel und fuhren Richtung Kneipe. Auch Shitboy und der Boss ließen den Abend wie gewohnt in guter FKK-Tradition ausklingen. Die Party begann mit Questions und der Larissa-Gang in einer kleinen Kneipe in der per Beamer Punk und HC-Musikvideos an die Wand gestrahlt wurden. Als Bianca und ich ankamen, lief gerade 'Gotta Go' und wir wussten, das war unsere Party. Gesoffen wurde ein Bier, welches "Berlin" hieß und nach 'Comeback Kid', 'Your Demise', 'Bad Religion', 'Pennywise', 'Misfits' und Millionen weiteren Videos ging es irgendwann in eine andere Kneipe. Dort wurde hauptsächlich Schnapps gesoffen. Wir unterhielten uns mit dem einzigen Straight-Edger Griechenlands (kein leichter Job!) oder tanzten zu der immer lahmer werdenden Musik. Gegen 6Uhr war auch hier Schluss, Questions gingen schlafen und wir hatten noch unseren Rückweg zur Schlafstätte vor uns. Mehr oder weniger geholfen hat uns ein extrem besoffener Grieche, der in der Nähe wohnte, unsere Strasse aber nicht kannte. Er saß auf dem Beifahrersitz, murmelte irgendwas von "Fuck'em" oder "Sorry, I'm too drunk", telefoniert wild und war fest davon überzeugt, dass wir ohne ihn den Weg nicht finden würden. Irgendwann fragte er jemanden und Tatsache: Plötzlich waren wir angekommen. Wir verabschiedeten uns und er trottete in den Regen. Ob er jemals angekommen ist, werden wir wohl nicht erfahren, aber ich sag mal: Danke, hast du im Endeffekt ganz gut gemacht!
Tag 17 - 15.10.2011, Kumanovo, Mazedonien, 358km, 5 Stunden

Christian: Nun war er da, der letzte Tag der Tour. Kaum zu glauben dass es schon soweit ist, wollten die Tage am Anfang der Tour überhaupt nicht vergehen so raste die Zeit ab Russland nur so davon. Wir haben es tatsächlich bis hierhin geschafft, in 17 Tagen sind wir insgesamt 9876 km gefahren und vom fast nördlichsten Punkt Europas bis zum südlichen Istanbul zur Grenze Asiens vorgedrungen. Das alles mit krassen Shows, langen Fahrten und durchweg netten Menschen. So richtig checken kann man das eigentlich nicht am letzten Tag der Tour. Ich kapier auch noch nicht wie wir diese Strecke ohne wirkliche Pannen und Probleme geschafft haben, keine gecancelte Show, keine Unfälle, keine Nazischeiße, keine Bullenscheiße, einfach alles cool. Da es nicht zu einem 2. Griechenland wurde wie Flo gestern berichtete trafen wir Questions pünktlich um 12 und fuhren los gen Mazedonien. Für unsere Verhältnisse eine kurze Strecke. Die Stimmung war irgendwie komisch, das Ende der Tour in Mazedonien, wo vor allem die Brasilianer keine guten Erinnerungen dran haben. 2009 lief da nicht alles ganz so rund für sie, mir ist das damals garnicht so aufgefallen. Diesmal sollte alles anders werden, hoffte ich. Weil wir mal wieder eine EU Grenze überschreiten mussten fuhren wir bei Zeiten los, die Grenze war aber wieder sehr locker und nahm kaum Zeit in Anspruch auch die Straßen auf der mazedonischen Seite waren ganz okay und somit erreichten wir Kumanovo viel zu früh was auch an der Zeitverschiebung lag und eine Stunde geschenkt bekamen. Also warteten wir wie 2009 am Supermarkt gegenüber der lokalen Favela auf den Veranstalter... da kann man übrigens wirklich von Favela sprechen, ein Berg an dem Holzhütten mit viel Müll da vor stehen. Auch das ein Grund warum die Brasilianer nicht so vor Begeisterung sprudeln geht es um Mazedonien, immerhin kommen sie nach Europa um was anderes zu sehen als in ihrer Heimat. Marko führte uns dann direkt zum Club, ein verlassenes Kulturhaus für das er ein Schlüssel hat. Eigentlich ganz cool, nur galt es Zeit totzuschlagen und es war kalt. Auch das führte nicht zur Besserung meiner Laune und die der anderen. Ein kleiner Lichtblick war die Supportband Outlaw, sie teilte ihren Alkohol mit den Brasilianern und das tat der Stimmung definitiv gut. Shitboy und ich schliefen ein wenig vor, da wir nach der Show den Heimweg antreten mussten. Outlaw war nicht nur wegen des Schnapps ein Lichtblick, haben auch ne coole Show gemacht und die paar Leute die da waren sind schon gut abgegangen. Dies blieb auch bei uns so, vor allem aber überraschten uns 3 Damen die eher für eine Edeldisko gekleidet waren aber in der ersten Reihe ihre Tanzmoves performten, pfiffen und jubelten. Das irritierte uns ein wenig aber ließ mich auch schmunzeln innerlich, denn den Brasilianern würde das sehr gefallen. Das tat es dann auch und so wurde auch die letzte Show in Mazedonien noch ein Highlight für alle. Nun galt es den 1900km langen Heimweg anzutreten auf dem wir Bianca und Flo in Sofia auf dem Flughafen absetzten (sie mussten den nächsten Tag zurück in Berlin sein) und einen Zwischenstopp in Budapest machten. Da konnten Questions sogar noch eine Lastminute Show spielen für die wir aber 20 Stunden durchfahren mussten. Shitboy schruppte die ersten 12 Stunden durch Mazedonien und Bulgarien bei Schnee, ich übernahm dann bei Sonnenschein auf der Donaufähre.

Questions spielten die Show, wir fanden ein billiges Hostel und schliefen erstmal. Vor der Abfahrt am nächsten Tag ging es noch ins Gorilla Vega Büffe. Der Europäische King das Hardcores und King of all Roads, Jaki hat sich zur Ruhe gesetzt was sein HC Dasein angeht und macht jetzt dieses vegane Restaurant in Budapest. Die überdimensionalen Burger sorgten für eine gute Basis für die 10 stündige Strecke Berlin-Budapest und irgendwie hatten nun alle gute Laune. Dies konnte uns auch die einzige Polizeikontrolle der ganzen Tour nicht vermiesen, kurz nachdem wir in Deutschland einfuhren wurden wir auch schon herausgewunken von der Bundespolizei. Shitboy prophezeite das ja bereits vor paar Tagen. Die Kontrolle war aber auch sehr harmlos und die Brasilianer zauberten den deutschen Bullen ein Lächeln ins Gesicht mit ihrem Scharm und den paar Brocken deutsch die Edu sprach. Letztendlich kamen wir in Berlin an und fuhren zum Proberaum ausladen, was nach einer Tour immer mega deprimierend ist. Nun waren wir wieder in der Realität.

Bilder: United And Strong, partyausfall.de
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