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TIME HAS COME - THE BLEEDING

Eintragen am: 12.02.2014

Was hab ich mich gefreut, als im Jahr 2012 die Band The Bleeding aus dem Boden gestampft wurde, und es sich dabei um Ex-Mitglieder der wahnsinnigen Time Has Come handelte, die ja im Jahre 2010 aufeghört hatten, ihren Lärm zu verbreiten. Der 2008er Frontalangriff auf jegliche Nervenenden in Form von "White Fuzz" eben Jener findet auch heute noch regelmäßig seinen Weg in die heimische Anlage. Um so größer war der Ärger, dass nach der folgenden "Neurodiversity" EP Schluss sein sollte. Daher auch die große Freude, dass The Bleeding das Erbe antreten sollten und die ersten Tracks auf Facebook waren ein Trost nach Maß.

Um ehrlich zu sein machen es die Hamburger dem geneigten Fan nicht leicht. Erst die brutale Chaosmucke, dann Auflösung, Neuanfang unter neuem Banner und nun 2014 ist man wieder als Time Has Come am Start und das neue Baby hört auf den Namen "The Bleeding".

Aber genug Geplänkel, das vorab veröffentlichte "Submissive (Like A Dog)" ist ein fantastischer Appetizer auf "The Bleeding" und ich persönlich konnte es kaum erwarten das ganze Album zu hören. Auf geht's! Den Anfang macht der "Blood Diamond". Ein melodisches Interlude läutet den ersten Gewaltakt ein und spätestens bei diesem hysterischen Geschreie überkommt einen dieses Wohlgefühl und ein dickes Grinsen meißelt sich im Gesicht fest. Heftiges Geballer, abgefahrene Gitarrenarbeit und zerstörte Drums, so muss das sein. Doch es folgt auch gleich die erste Überraschung: "Blood Diamond" ist ein richtiger Song, so richtig mit Struktur, melodischen Riffs und, ich traue es mir kaum zu schreiben: er ist eingängig!

Time Has Come und eingängig? Geht nicht? Geht doch! Und wie das geht! Denn mit "Dark Passenger" folgt gleich der nächste Beweis, dass die Nordlichter im Jahr 2014 nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand wollen, obwohl die Tür daneben offen steht. "Kings Of The Night" schlägt ebenso in diese Kerbe, brutal, fies, düster ohne Ende und trotzdem extrem festfräsend in der Hirnrinde. Am Ende noch ein Breakdown, der fetter nicht sein könnte. Ich hätte ja vieles erwartet von den Jungs, aber nicht, dass sie so eine Wandlung hinlegen. "I Am The Abyss" beginnt sogar mit so etwas wie klarem Gesang, bevor es auch hier wieder derb auf die Nuss gibt und es extrem melodisch wird. "The Birth" ist ein instrumentaler Trip zurück in die Vergangenheit, inklusive geilem Nintendo-Tapping.

Der Rest der Platte verhält sich vom Prinzip her wie die erste Hälfte. Pure Gewalt trifft Melodie, bösartige Screams auf Breakdowns und die Gitarrenkünste des Herrn Kayzer. Neben dem ganzen Blut bleibt nach "The Bleeding" vorallem eins zurück: eine offene Kinnlade! Mit einem Album voller Hits, die so dermaßen heftig, giftig, brutal, düster und melodisch sind hätte bei Time Has Come wohl keiner gerechnet. Ein bißchen mehr Chaos hätte ich mir hier und da schon gewünscht, das tut der Qualität der Platte aber keinen Abbruch.

Time Has Come sind anno 2014 also vom Sound her eine komplett andere Band als 2008. Spielerisch sowieso über jeden Zweifel erhaben, mit einem der besten Schreihälse überhaupt an Bord, der (leider) etwas weniger jammert als früher, servieren sie mit "The Bleeding" die ganz große Überraschung und nicht weniger als ein fieses Highlight, bei dem es musikalisch und textlich derb zur Sache geht. Hoffentlich machen sie noch lange weiter...

 

Pro
  • Hits über Hits
  • Marcel's Gekeife
Kontra
  • recht wenig Chaos (sehr subjektive Meinung)
Wertung: 9 / 10 Punkte
Autor: RicksterRegistriert: 02.10.2008 - Verfasste Artikel: 66 - Forenposts: 97 - Alle Artikel anzeigen
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Allgemeine Informationen

Veröffentlichung: 14.02.2014

Spielzeit: 43:08 min

Label: Diy

Band: www.facebook.com

Tracklist:

01. Blood Diamond
02. Dark Passenger
03. Kings Of The Night
04. I Am The Abyss
05. The Birth
06. The Colour Of Love
07. A Made Man
08. Wrapped In Plastic
09. Submissive (like A Dog)
10. Without Or With You

Discografie:

2014 - The Bleeding
2010 - Neurodiversity Ep
2008 - White Fuzz
2006 - Ep
2004 - Baptized By Blood Ep