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UNITED AND STRONG - WELCOME TO COMA CITY EP

Eintragen am: 26.09.2011

Zehn Jahre ist eine ganz schöne Zeitspanne. Vor zehn Jahren beispielsweise war Nu-Metal gerade richtig angesagt, 9/11 war Grund genug für die States, Krieg in Teile der Welt zu bringen, die geschätzte 50% ihrer Einwohner auf der Landkarte nicht finden würden und - wo wir gerade beim Thema sind - einer der dümmsten Menschen der Geschichte wird Präsident selbiger Nation und somit mächtigster Mann der Welt. Schon diese drei Dinge zeigen, dass mit der Welt Einiges im Argen liegen muss, aber das war es auch vorher schon. Nicht desto trotz machten sich anno 2001 vier junge Menschen auf, ihrer Meinung und ihren Idealen musikalischen Ausdruck zu verleihen. Zahlreiche Demos und ein Album später sind zehn Jahre vergangen und United and Strong feiern mit einigen Specials das eindekadige Bandjubiläum. Dazu gehört unter anderem diese 7" hier, betitelt mit "Welcome To Coma City". Dazu würden mir jetzt die typischen Slogans einfallen, die United and Strong für mich persönlich irgendwo ausmachen - anstatt die aber dramaturgisch anspruchsvoll in den nachfolgenden Zeilen unterzubringen, mache ich das einfach gleich: Zehn Jahre nach der Gründung ist stumpf immer noch Trumpf und man gibt immer noch einen Scheiss auf dieses Land und die Cops, wie es sich für Beatdown gegen Deutschland eben gehört!

D.I.Y. ist das Motto - die EP wurde in Eigenregie in den Pferdeklinik Studios Berlin von Maze ("dem Bruder vom Final Prayer-Mac") aufgenommen, das Cover und Artwork von der Band selbst angefertigt und so ein bisschen tropft mir schon der Zahn, da ich das alles nur digital als JPEG-File vor mir sehe. Ich bin normalerweise nicht so der Vinyl-Fetischist, aber reizvoll ist das Ding schon. Gut gefällt mir, dass A- und B-Seite auf "Welcome To Coma City" den Titel "Westside" und "Eastside" bekommen haben, auf dem Backcover durch einen fetten weißen Strich getrennt. Peter Fox-mäßige Glorifizierung der Hauptstadt? Ich denke nicht! Kontroverse Auseinandersetzung trifft es da wohl eher. Die Westside beginnt mit dem gut einminütigen Intro "I felt nothing" und das ist richtig gut stumpf. Versteht mich jetzt nicht falsch, bei den meisten Bands würde mich das schon massiv abschrecken, aber bei United and Strong ist das irgendwie immer so ein wohliges Gefühl, als ob man sich direkt ins JUZ versetzt fühlt und einer räudig-verschwitzten Live-Show beiwohnen kann. Das Intro endet mit der vom fünften Mann Spider gesprochenen Passage "They told me this is going to feel alright as long as this heart is still beating, but I felt nothing as I walked the streets of Coma City" für UAS-Verhältnisse äußerst atmosphärisch.

Das darauf folgende "Coma City" knüpft dann musikalisch irgendwo dort an, wo mit der letzten Veröffentlichung "Transit" aufgehört wurde - mal mehr, mal weniger Melodien, mal moshig, mal punkig - eben diese typische Mischung. Der Sound ist für das sicherlich überschaubare Produktionsbudget richtig ordentlich geworden, zwar kratzt es an manchen Stellen ordentlich, aber das unterstreicht die Songs eher noch, als dass es mich stört. "It's not the good times, not the memories we shared / It's the dirt in the street, the smell of failure, defeat, despair", spätestens aber bei der Zeile "I search the skyline for something that I remember" wird klar, dass hier die galoppierende Entwicklung von Berlin immer weiter hin zur High-Society Thema ist. In der Mitte folgt dann ein Moshpart, bis der Song schön oldschoolig endet (für den, der das nicht bemerkt, kommt noch ein stilecht ganggeshoutetes "Oldschool-Style" davor). "Working class mentality" dreht sich dann um die Vereinbarkeit von Musik, Band und Arbeit und generell den Einfluss, den der Alltag zwangsläufig darauf nimmt. Der Song treibt von Anfang an im Uptempo dahin, hat aber gegen Ende auch einen ordentlich drückenden Moshpart auf Lager - alles ein bisschen rumpelig und nicht hundertpro auf dem Metrum, dafür aber gehörig down with the working class möchte man sagen. Was man hier schon merkt ist die Tatsache, dass musikalisch (an der Message gab es bei United and Strong ja selten Zweifel) durchaus einige Entwicklung geschehen ist - hatte mir "Transit" über größere Bereiche noch zu große Längen und Unstimmigkeiten, was das Songwriting anging, so sind die Songs auf "Welcome To Coma City" doch deutlich ausgereifter.

Das gilt für mich persönlich vor allem für den Rausschmeißer "Fear the hurt", das irgendwo ganz anders als der Rest klingt, zumindest was das Intro angeht. Auch sonst ist das Ding äußerst rhythmisch und an sich 'ne verdammt harte Nummer - Moshpart, Moshpart, Breakdown, Moshpart, 2step - richtig gut! Da werde ich live sicherlich demnächst mal ein bisschen mit dem Kopf nicken. Dazu Lyrics wie "Connect the dots on the bedroom wall, while you reach for the stars" und für mich ist klar: zum Zehnjährigen haben die Berliner hier ein richtig gutes Scheibchen abgeliefert.

Denn hier ist nichts hohles PR-Gelaber: alles was die Jungs und das Mädel hier sagen und zum Ausdruck bringen, trifft genauso zu. So eine Einstellung kann man nicht hoch genug schätzen und was es für mich noch besser macht ist die Tatsache, dass bei der musikalischen Umsetzung doch eine gehörige Entwicklung stattgefunden hat. Dementsprechend eine ganz klare Empfehlung zum Auschecken, egal nun, ob zuhause als 7" oder auf diversen Bühnen dieses Landes!

 

Pro
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Kontra
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Wertung: 8 / 10 Punkte
GotB
Autor: GotBRegistriert: 22.08.2009 - Verfasste Artikel: 2.741 - Forenposts: 245 - Alle Artikel anzeigen
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Allgemeine Informationen

Veröffentlichung: keine Angabe

Spielzeit: 09:18 min

Label: Diy

Band: www.unitedandstrong.de

Tracklist:

01. I Felt Nothing Intro
02. Coma City
03. Working Class Mentality
04. Fear The Hurt

Discografie:

2011 - Welcome To Coma City Ep
2009 - Transit
2008 - Demo
2005 - Demo
2004 - Demo