AMALTHEA - IN THE WOODS

Und ja, in den unendlichen Wäldern Schwedens will man sich auch nicht verlieren: Während man tagsüber noch sprachlos ist von der unberührten Natur und den schier endlosen Weiten, ist es vor allen Dingen die Nacht, in der jedes Geräusch in tiefste Angstzustände führt und die eigene Vorstellungskraft wahrscheinlich abgrundtiefsten Schabernack mit einem treibt. Ähnlich geht es auch auf den Tracks von Amalthea zu, man wandelt zwischen größtmöglicher Schönheit und verstörend finsteren Schrei-Attacken, schwelgt gerade noch über zarte Ambient-Melodien und zaghaft vollzogene Drum-Einsätze, ehe der Donner und die Dunkelheit alles vereinnahmen und die nackte Furchtsamkeit sämtliche Poren durchfließt. Amalthea spielen wunderbar mit diesem Widerspiel, tändeln zwischen fies röhrenden Gitarrenschlägen und leisen Momenten, wirken dabei aber nie aufgesetzt oder anstrengend. Alles ist in einem Fluss, immer wieder ergeben sich neue Melodien und es ist nicht möglich, vorherzusagen, was als nächstes kommen mag. Die Band lässt sich treiben, rockt sich mal in Grund und Boden, ehe sie wieder Flügel bekommt und traumwandlerisch über Stock und Steine schwebt. Progressiver Hardcore, drogenverseuchter Rock aus den 70ern, Jazz-Elemente, all dies schwimmt zusammen zu einem großartigen Film der Einsamkeit. Dazu kommen noch Einsätze von Gastmusikern, die hier mal ein Saxophon, da eine Trompete und dort eine Violine beitragen, immer wunderbar in den musikalischen Kontext gesetzt und von atmosphärischer Erhabenheit umgeben.
"In The Woods" ist somit eine knappe Stunde feinste Unterhaltung, perfekte Musik für einen einsamen Sonntagnachmittag, in dem nur das dumpfe Auftreffen der Schneeflocken die Stille zerreißt. Amalthea haben sich immens weiterentwickelt, sie beherrschen ihr Handwerk und schreiben dabei Songs mit enorm viel Kraft, aber auch Schönheit. Die Jungs haben sich ihren eigenen Kosmos geschaffen, haben sich bewusst zurückgezogen und die ewigen Weiten ihres Heimatlandes als Quelle grandioser Musik genutzt. Egal ob "Rust", "End" oder "Harm", jeder Song weiß zu betören, zu lähmen, zu durchdringen. Erstes Großopus des Jahres - Respekt!
Pro
- Großartig doomiger Post Hardcore
- Tollste Melodeien
- Beste Kopfkino-Mucke
Kontra
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