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BORKNAGAR - URD

Eintragen am: 02.07.2012

BORKNAGAR müssen eigentlich niemanden mehr vorgestellt werden. Die Band aus Norwegen bringen mit "Urd" ihre nunmehr neunte Scheibe auf den Markt und nach einmaligem Durchhören ist auch sofort klar, warum die Scheibe in den hiesigen Medien landauf landunter in höchsten Tönen gelobt wird. Für die etwas jüngeren Leser nur so viel: ICS Vortex (Ex-DIMMU BORGIR), bis 2001 bereits Mitglied gewesen, ist zurück. Und seine Stimme, die ich mittlerweile bei der norwegischen Vorzeige-Blackmetal-Kapelle sehnlichst vermisse, schallt eben nun für BORKNAGAR glasklar aus den Boxen. Und als wäre dies nicht genug, gesellen sich Vintersorg und Lars einfach noch am Mikro dazu und verpassen dem Album abwechslungsreiche Gesänge, die nie langweilig werden und einfach nur schön anzuhören sind. Für die Studioaufnahmen wurde noch David Kinkade (SOULFLY, Ex-MALEVOLENT CREATION) verpflichtet und so entstand "Urd".

Doch der Reihe nach. "Epochalypse" geht sofort munter los, lässt wenig Spielraum zum Durchatmen. Double-Basses bis zum Abwinken und ein psychedelisches Gitarren-Thema als Begleitung zieren die Eintrittspforte in die Welt von "Urd". Es wird sogleich ein erster Vorgeschmack auf die faszinierende Variabilität der drei Sänger serviert. Gleichwohl bleibt der erste Track mehr ein Aperitif auf das, was noch kommen mag. Die Vorstellungsrunde der Spielarten von BORKNAGAR geht alsbald weiter: beim zweiten Track "Roots" kommen vermehrt die Synthies zum Einsatz. Verfeinert durch die Choräle zur Mitte des Songs und die erstmals einsetzenden Sangeskünste des von mit sehr geschätzten Vortex gewinnt der Track sein progressives Element.

Nach mehrmaligem Hören muss ich an dieser Stelle auch zugeben: meine neue Hymne wird wohl "The Beauty Of Dead Cities". Vortex' Stimme kann sich in diesem Track entfalten wie eine Raupe, die sich zum Schmetterling entpuppt, abhebt und los fliegt. Da passt es auch thematisch, dass hierbei die Wiedereinnahme der überfüllten und ach so modernen Städte durch die Natur besungen wird. Der thematische Bezug kommt dabei nicht zufällig zustande. Die Hinwendung zur Natur und dem Glauben, dass alles - Mensch wie Natur - miteinander zusammen hängt, quasi verknüpft ist, bildet das ideologische Fundament der Texte von BORKNAGAR. So dann auch bei "Earthling", wobei hier auch kraftvolle Pagan-Riffs verwendet werden, ehe sich die Scheibe mit "The Plains Of Memories" eine kleine Pause gönnt - als würde ich auf einer Waldlichtung liegen und alles wäre im Einklang mit mir und der Welt.

"Mount Regency" haut einem anschließend gleich zu Beginn den Schädel weg. Mit Keyboards unterlegte Doublebasses, die von den Gitarren majestätisch unterstützt werden, bilden das Kernstück dieses Krachers, das maximal dann weichen muss, wenn die Keyboards im Stile von DEEP PURPLE zu einem irren Sololauf ansetzen. Wozu Gitarrensoli, wenn es auch eine Hammond-Orgel richten kann? "Frostrite" fällt dagegen ein bisschen ab, ohne jedoch merklich an Qualität zu verlieren. Alle drei Sangesbrüder von BORKNAGAR beweisen sich hier in ausgezeichneter Form.

Ganz anders dagegen "The Winter Eclipse", das bereits mit dem ruhigen Start, der dann doch etwas zu verdächtig vorkommt, verrät, wohin es in dem Song gehen soll: eiskalt nach vorne! Die Gitarrenläufe sind jetzt im Stile IMMORTALs klassisch schwarzmetallisch gehalten und auch die Hammond kommt nochmals zum Einsatz. Das ganze Stück ist neun Minuten pure Kraft, das auch im Outro an selbiger nichts verliert. Dieser Song wäre ein passendes Finale für ein großartiges Album, ist es aber nicht. Der letzte Track "In A Deeper World" wirkt nochmals etwas ruhiger und soll eine Ode an die "universale Kohärenz" darstellen.

BORKNAGAR sind ganz großes Kino, ihre Songs wirken wie von einer anderen Welt, die Progressivität macht sie in ihrem Genre einzigartig. Mit der Rückkehr von Vortex haben sich BORKNAGAR einen großen Gefallen getan. Die knappe Stunde erhält nicht einmal ein Fünkchen Langeweile. Ich als Hörer habe jede Minute genossen, mich den Klängen hinzugeben. Trotz der unglaublichen Vielfalt an Möglichkeiten, die sich anhand der drei Sänger und dem abwechselnd mal wie ein Klavier, mal wie eine Hammond-Orgel eingestimmten Keyboard ergibt, wirkt das Album in sich homogen. Nach Schwächen suchen heißt bei dieser Scheibe gegen Windmühlen anzureiten. Nix zu machen. Danke BORKNAGAR für diese pittoresken Klänge.

 

Pro
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Kontra
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Wertung: 9 / 10 Punkte
KaesekuchenHAL
Autor: KaesekuchenHALRegistriert: 26.04.2012 - Verfasste Artikel: 20 - Forenposts: 37 - Alle Artikel anzeigen
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Allgemeine Informationen

Veröffentlichung: keine Angabe

Spielzeit: 53:04 min

Label: Century Media Records www.centurymedia.com

Band: www.borknagar.com

Tracklist:

01. Epochalypse
02. Roots
03. The Beauty Of Dead Cities
04. The Earthling
05. The Plains Of Memories
06. Mount Regency
07. Frostrite
08. The Winter Eclipse
09. In A Deeper World

Discografie:

1996 - Selftitled
1997 - The Olden Domain
1998 - The Archaic Course
2000 - Quintessence
2001 - Empiricism
2004 - Epic
2006 - Origin
2008 - For The Elements (1996 - 2006)
2010 - Universal
2012 - Urd