CALVAIIRE - FORCEPS

Gleich ab den ersten Tönen ist dabei zu vernehmen, dass es wieder verdammt böse zugeht. Die Band produziert einen derart verstörenden Sound, lärmig, rumpelig, zerhackt und voller abrupter Sprünge zwischen Pest und Cholera, dass man als Hörender keinen leichten Job hat. Hat man sich drauf eingestellt und die Ohren auf Chaos eingestimmt, kann man aber verdammt stark geschriebene Songs vernehmen, die sich zwischen Crust, Mathcore, Thrash, Noise und Powerviolence bewegen. Durchpflügt mit röhrenden Gitarrenschlägen, räudigen Disharmonien, völlig zerpflücktem Schlagzeug-Spiel und einem krankhaften Gekreische, spucken und zappeln sich die Songs durch den kalten Äther und hinterlassen verbrannte Erde. All das ist verdammt anstrengend, "Forceps" schlägt einem quasi in die Fresse, nimmt alle Hirnrinden ein und frisst sich in die Gedanken der Hörenden mit all seinen finsteren, dreckigen Lauten, die manchmal mehr an gequälte Tiere in zerberstenden Schlachthäusern erinnern als an Musik. Songs hervorzuheben macht wenig Sinn, das Album ist ein Hassklumpen für sich: Mal wird man irre gemacht durch verstörend leiernde Riffs, mal summen schleifende Sounds in nicht enden wollender Manie, klare Songstrukturen sind bei alldem nur selten zu erkennen und Verschnaufpausen bewusst Mangelware. Trotzdem wirkt die Platte nicht ziellos oder beliebig, jedoch mehr als die Hörenden durchzupusten mit dem wahnigen Chaos, dazu ist "Forceps" nicht im Stande.
Das Debüt der vier Franzosen steht damit einfach so da, es findet sich nicht in unserer Welt wieder und macht es damit schwer zu greifen. Zwischen Verstörtheit und Bewunderung für das Geschaffene ordnet sich am Ende die Bewertung ein, denn das fulminante Werk kann leider nicht gänzlich überzeugen. Dem Wahn wurde etwas zu viel Platz gelassen und dem Sinn dafür zu wenig. Jedem Fan der oben beschriebenen Stile ist das erste Album von Calvaiire definitiv trotzdem ans Herz zu legen, man macht wenig falsch mit dem Erwerb dieser Platte, auch wenn sicherlich einige verquere Gedanken aufgrund des Konsums von "Forceps" die eigenen Hirnrinden entlangwabern. Kranke Scheibe.
Pro
- Hektisch noisiger Mathcore
- In seiner Wirkung verstörend
Kontra
- Verdammt anstrengend
- Inhaltlich und musikalisch schwer zu greifen




