(HED) P.E. - N.W.O.

Kaum die CD in die Anlage werfend, fällt erstmal - schon recht unangenehm - die Auflistung aller Tracks auf, die versehen ist mit den nötigen Codes, die wichtig sind für das Ordern der Songs als Klingelton (!). Kurz verdaut, Play gedrückt, dem "New World Intro" gelauscht, in dem - natürlich - immer noch von W zu hören ist. Ok, nicht gerade zeitgemäß, aber ist ja bekanntlich das einfachste Feindbild, was sich über das gesamte Album auch bestätigt. "Live Or Die Free" dann der erste Track: schön groovender Einstieg, beißende Raps, kurze und schnelle Bridge, simpler Punkrock-Riff und Mitgröhl-Hook, chillig-ruhige Funkeinlage, ein paar Sirenen und zum Schluss nochmal Punk á la The Clash. Das alles in zwei Minuten. Passt. Genauso geht es dann auch weiter, recht chaotisch wirkend werden verschiedenste Styles miteinander vermischt und aneinandergereiht. Das ist dann auch insofern mehr als passend, da die Band sich mehr als eine moderne Punkcombo denn als Metalact sieht, und dabei inmitten einer gesellschaftlichen Zerrissenheit das totale Chaos ausruft: "we´re tired and we´re ready to riot, we anarchists and we must resist". Jener Revoluzzer-Schiene, die anscheinend stark vom britischen Punk der 70´er Jahre beeinflusst wurde, wird über das komplette Album gefahren, mit verbalen Tritten in Richtung der amerikanischen Mittelschicht, der kriegslüsternen Bush-Regierung und allgemein jeglicher Form der Politik, welche sich der Lügen und Korruption bedient. Lyrisch recht banal und plakativ ausformuliert, kollaborieren die Vocals stets mit dem Rap-Background der Band und vermischen sich so oftmals zu einer rauen Rap- und Straßensprache: "stop fuckin with me"! Gerade die Rap-Parts sind dabei musikalisch und lyrisch ungemein druckvoll sowie beißend und bilden beinahe die Highlights der Platte, gerade da es sich Frontmann Jahred Shane schon seit Jahren nicht nehmen lassen will, gequälte Gesangspassagen in die meisten Songs mit einzuarbeiten. Zwischendurch gibt es viele langweilige Skits, die zwar thematisch passend sind, aber schon beim zweiten Hören die Nerven im negativen Sinne beanspruchen, straighte HipHop-Tracks ("Stepping Stone", "This Love"), die leider diesmal sehr schwach und seicht ausgefallen sind, und die obligatorischen Sextracks ("Work On This feat. Tech N9ne", "Everything All The Time"), zu den man sehr geteilte Meinungen besitzen kann, die aber eigentlich nix auf der Platte zu suchen haben. (hed) p.e. haben sich grundsätzlich also nicht groß gewandelt, ihren ganz eigenen Stilmix aber stets weiter entwickelt und in alle Richtungen Ausschau gehalten nach Einflüssen, aber im Gegenzug auch immer wieder Tracks parat, die auch schon vor zehn Jahren hätten auf einer Platte vertreten sein können ("Renegade" ), also auch die Fans der Stunde Null ansprechen dürften. Eingekleidet in eine gute Produktion und umrahmt von unzähligen Sprach-Samples, bekommt man je nach Edition bis zu 26 Songs auf die Ohren, die sowohl sehr ansehnliches Material als auch ein paar Ausfälle beinhalten.
Im Großen und Ganzen wirkt "N.W.O." wie ein komplexes, chaotisches und leicht verwirrtes Theaterstück, und genauso ist auch die Welt, die (hed) p.e. auf ihrem Album beschreiben. Herausgekommen sind dabei ein paar interessante und gute Tracks; das gesamte Album aber kann nicht überzeugen und lässt auf vielen Ebenen einen roten Faden vermissen. Es sind einfach zu viele Gebiete, die die Kalifornier abgrasen wollen, und so bleibt vieles nur halbherzig bearbeitet zurück. Man erkennt die Stärken der Band, aber "N.W.O." ist eine eher schwache Platte einer der letzten Sperrspitzen eines toten Genres.




