NAGLFAR - TERAS

Naja, lange Rede kurzer Sinn: das Black Metal-Schlachtschiff bringt mit "Teras" eine neue Langrille auf den Markt, die entsprechend der vorausgegangenen Story auch eine ordentliche Erwartungshaltung bei mir auslöst. Und ordentlich beginnt die auch mit dem Titeltrack, schweren Gitarren und der typisch skandinavischen Spielart des Schwarzmetalls: symphonisch und pathosreich. Schon mit dem darauffolgenden "Pale horse" wird das Metronom aber einige Gänge hochgeschalten und man hat erst einmal damit zu tun, sich den Blast-Beat wieder aus den Gehörgängen zu klauben. Gepaart mit den flirrenden dissonanten Gitarren gibt es hier kaum Zeit zum Durchatmen und Naglfar prügeln den Song nahezu über seine Spielzeit, nur unterbrochen von einem kurzen instrumentalen Mittelteil.
Es scheint also alles beim Alten geblieben zu sein. Das typische Schwedentod-Riffing beherrscht nach wie vor die Arrangements von Naglfar. Gerade bei Titeln wie "III: Death dimension phantasma" wird aber wieder einmal klar, dass hier mehr geboten wird als stumpf hingedroschener Black Metal, denn die Variabilität in den Songstrukturen war schon immer ein beeindruckendes Trademark dieser Kapelle. So bildet das Gitarrensolo im Mittelteil mit seiner fast positiven Ausstrahlung einen effektiven Kontrastpunkt zum sonst dunkelschwarzen Track.
Auch wenn das alles hier sehr solide und technisch packend inszeniert ist, so sehne ich mich nach Titel drei doch nach etwas Abwechslung und just an dem Moment scheint es richtig interessant zu werden: "Monolith" hält was der Titel verspricht und bietet über sechs Minuten äußerst progressiven Black Metal mit zahlreichen Downtempo- und Doom-Anleihen. Das Ganze ist unglaublich schleppend und so einfach wahnsinnig mächtig. Zudem muss man hier sehr hoch anrechnen, wie gekonnt die Spannung durchweg hochgehalten wird, obwohl die einzelnen Parts nicht allzu sehr divergieren. Auf jeden Fall in großes Highlight auf "Teras".
Was danach folgt ist wieder völiges Kontrastprogramm. Treibende Doublebass-Gewitter, dissonante Gitarrenriffs und fies keifende Vocals - sowohl das darauffolgende "An extension of his arm and will" als auch "Bring out your dead" haben davon genug im Gepäck. Letzteres wirkt dank des rockigen Intros dann aber noch weitaus interessanter und macht auch wegen perfekt eingesetzter Effektspielereien an der Gitarre und genialen Melodieverläufen extrem Spaß.
Dem Ende zugeführt wird "Teras" zum Einen mittels dem schon fast lächerlich brutal geblastetem "Invoc(H)ate", was abermals hält, was der Titel verspricht und ein unfassbarer Hassbolzen geworden ist. Den Rausschmeißer bildet dann das abermals überlange "The dying flame of existence", welches weniger proggy als "Monolith" ausgefallen ist, dennoch mit gekonntem Einsatz von Chören sowie bedrückender Klangkulisse punkten kann.
Eine ausgezeichnete Platte ist Naglfar hier also gelungen. Man schafft es abermals, die eigenen Trademarks perfekt auf die nächste Veröffentlichung zu transportieren, gleichzeitig aber mit zahlreichen neuen Stilmitteln zu versetzen. Die, die Naglfar kennen, dürfen getrost reinhören mit dem Wissen, hier nicht enttäuscht zu werden. Ein Kritikpunkt für alteingesessene Anhänger könnte der Melodiegehalt sein, der doch recht hoch ausgefallen ist. Gerade aber die Atmosphäre, die auf "Teras" generiert wird, ist einfach beeindruckend und rechtfertigt die hier ausgesprochene Empfehlung.




