SLAVERY - DAWN OF MANKIND

SLAVERY haben sie sich und "Dawn Of Mankind" ihr Album genannt. Fünfundvierzig Minuten Zeit genehmige ich mir, um letztlich zu dem Schluss zu kommen, dass auch in diesem Metier längst neue Wege beschritten werden. Die progressiven Stilelemente - anzuhören zum Beispiel bei "Leaving Eden" - machen sich nun auch bei Bands breit, die vornehmlich Power Metal spielen wollen. Sowas klingt ja prinzipiell interessant, nur nehmen sie der Musik das - und jetzt schließt sich der oben angeführte, kurze Gedankengang - , was ihr tatsächlich das Attribut "Power" gibt. Etwas verstörend wirkt dies schon.
Gleichwohl fügen sich die Prog-Momente reibungslos ein und hinterlassen eben etwas Neues, das es so vor fünfzehn Jahren noch nicht zu bestaunen gab. Erfrischende Gitarrensoli, die beim Ausklang an das Röhren der stereotyp unterstellten Unterleibsitzplätze mit Rädern erinnern, und schnelle Hooks holen die Kraft allemal wieder zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Lediglich die Stimme wirkt etwas zu glatt gebügelt. Meine Hörgewohnheiten haben doch allerhand in petto und sie sagen mir, dass da irgendwas nicht zu klappen vermag. Etwas mehr Volumen täte dem Sänger Phillip gut, aber das kann ja noch werden.
Lobend zu erwähnen sei die inhaltlich Ausrichtung der fünf jungen Männer. Entgegen den klassischen "Krieger schlägt Drache K.O., um bei der Prinzessin zum Stich zu kommen"- oder "Ich trag ein Schwert, ich bin ein Krieger!"- Texten, positionieren sich SLAVERY durchaus in gesellschaftskritischem Kontext. Das erinnert mich ein wenig an METALLICA, ehe sie sich in meinen Augen politisch ins Abseits manövrierten. So kann diesem gesamten Machwerk durchaus eine Menge Ernsthaftigkeit unterstellt werden, was sich eben abgesehen von den Texten auch in der technischen Qualität niederschlägt. Ein Rundum-Kraftpaket mit nuanciert gesetzten Pausen.
SLAVERY zocken angenehm hörbaren melodiösen Kraft-Metal, der sich zuweilen auch mal die Zeit nimmt inne zu halten und dadurch in Richtung Hard-Rock abzudriften scheint. Dadurch entstand ein vielseitiges, technisch versiert gespieltes Album, das jedem Fan des Genres bedenkenlos als Anspieltipp empfohlen werden kann. Alsdenn: Fäuste ballen, Arme hoch und anschließend den Kopf rotieren lassen.




