TESSERACT - ONE

Zu Unrecht, wie sich schnell herausstellt. Denn die Jungs bieten äußerst variablen progressiven Metal, meist im Midtempo gehalten. Das Spektrum reicht da von Nu-Metal-Gegroove im Stile von Emmure, bis hin zu fast ambient-mäßigen Klangflächen. Herzstück von "One" bildet dabei das Sechsgespann der Songs "Acceptance", "Deception", "The Impossible", "Perfection", "Epiphany" und "Origin" - entsprechend untertitelt als "Concealing Fate" Part 1 bis 6. Da fällt auf, dass "Concealing Fate" ebenfalls die 2010er EP von TesseracT geheißen hat und eine kurze, wenngleich intensive Recherche seitens der Redaktion ergab: okay, es sind auch dieselben Songs. Aber warum auch nicht, schließlich bewegen sich die Songs allesamt auf konstant hohem Niveau und können durch ein Rerelease möglicherweise einer größeren Hörerschaft nahegebracht werden.
Beim Durchhören des Albums fällt mir spontan der zweite Song, "Nascent" auf, der wirklich intensiv und mit richtig vertracktem Rhythmus daher kommt. Dabei zeigt sich, wie stark die Engländer Stimmungen erzeugen können - mit einer schlichten, sitar-ähnlichen Gitarre und dezentem Gesang beginnt der Song, bevor nach einem kurzen, geschrienen Emotionsausbruch wieder der Groove regiert - mitsamt geslapptem Bass, versteht sich. Der Clean-Gesang bewegt sich hier glücklicherweise nicht in den gerade angesagten poppigen Sphären, sondern ist technisch sauber und abwechslungsreich. So begegnen dem Hörer zumeist lange Songs, die Einiges an Stimmungs- und Rhythmuswechseln bereithalten, omnipräsent dabei die - oft mehrstimmig angelegten - Gesangslinien von Dan Tompkins. Doch der größte Pluspunkt wird auch ein bisschen zum größten Makel, denn irgendwie unterscheiden sich die einzelnen Songs dann oft zu wenig voneinander. Außerdem fehlt mir dann doch noch der letzte Kick in den Arrangements, so etwas richtig Überraschendes. Denn so cool das Experimentelle auch ist - ich habe stellenweise das Gefühl, TesseracT verlieren sich bei den Songs dann immer irgendwie beim Experimentieren. Das ist aber äußerste Geschmackssache.
Denn "One" ist alles andere als ein schlechtes Album geworden. Einzelne Songs als Hörempfehlungen heranzuziehen, fällt da auch schwer, denn es wirkt eigentlich nur in seiner Gesamtheit so wirklich. Am ehesten wären da "Perfection - Concealing Fate Part 4" oder der Rausschmeißer "Eden", die den Stil von TesseracT am schlüssigsten zusammenfassen. Wer die letzte EP mochte, der wird mit einem Kauf definitiv nichts falsch machen, denn der Stil ist (verständlich bei sechs übernommenen Songs) sehr ähnlich geblieben. Alle Sympathisanten von progressiver Mucke à la Intronaut oder Dream Theater (mit dreckigerem Gesang) können auch auf Myspace (jaja, oder halt Facebook) vorbeischauen.




