BRIDGES LEFT BURNING - BYSTANDERS

Das schicke Vinyl beinhaltet dabei ein 24seitiges Beiheft mit den gesamten Lyrics, vielen Informationen, wie z.B. in Deutschland mit Flüchtlingen umgegangen wird, und einer Menge Doku- und Lesetipps für verschiedentliche Themen wie Globalisierung, Tierrecht, Religionen oder der einfachen Frage, wie man politisch aktiv werden kann. Eine geballte Ladung also, die nicht nur anschaulich daherkommt, sondern auch wichtig ist. Denn politisch aktiv sein ist für viele nur noch ein "Like" wert und vor allen Dingen besinnt sich der aktuelle Hardcore auf wenige Punkte ausserhalb von "Nazis Raus" und "Alles scheiße und verlogen". Somit ist die Platte wahrscheinlich für 90% der Hörenden allein aufgrund der vielen Informationen eine Bereicherung - was damit weiter geschieht, das liegt in der Hand eines jeden selbst.
Und so liegt der Fokus dann auch auf der Musik, und die geht verdammt gut rein. Bridges Left Burning spielen weiterhin komplexen und verdammt melodischen Hardcore, der versehen wird mit rauen Vocals, viel Geschwindigkeit und noch mehr Energie. Der Opener "A New Day´s Dawn" startet mit wandartigen Crew Vocals, ehe rasiermesserscharfe Riffs alles umwirbeln und sich in die Hirnrinden fressen. Man wird dabei an Bands wie Miles Away, alte Verse und noch ältere Have Heart erinnert, aber BLB schaffen es gekonnt, sich eine individuelle Note zu bewahren und jene auch über die gesamte Laufzeit am Leben zu halten. Dazwischen gibt es harte Breaks, passende Quotes, drückende Midtempo-Passagen und heftige Gitarrenwände, die sich meterhoch aufbauen. Gegen Ende der Platte wird das Tempo dabei generell etwas langsamer und die bayerische Band widmet sich moderneren Hardcore-Elementen. Musikalisch ist das alles nicht neu und hin und wieder auch leicht altbacken, aber der Sound der Band ist authentisch und mit einem roten Faden versehen, was "Bystanders" zu einem guten Album macht - Musik und Message stehen im Einklang und man merkt der Band an, dass ihr der ganze Scheiß wichtig ist.
Für viele ist es im Endeffekt vielleicht zu viel Zeigefinger, aber was ist eigentlich immer so schlimm daran, zumal ja ein jeder selbst überlegen kann, ob er sich damit beschäftigt oder es wie 90% der anderen (HC-)Lyrics einfach an sich vorbeiziehen lässt. Musikalisch ist BLB auch über den generellen Zweifel erhaben, kann jedoch noch nicht auf der ganz hohen Ebene mithalten und verliert sich somit ein wenig im oberen Mittelfeld. Nichtsdestotrotz ist die Band eine sowohl inhaltliche als auch politische Bereicherung für den deutschen Hardcore und sollte schleunigst auf dem Radar eines jeden HC-Kids erscheinen.
Pro
- Hoher politischer Anspruch
- Starker Melodic Hardcore
Kontra
- Könnte etwas mehr Abwechslung vertragen
- Sound etwas zu verwaschen




